Bix Jazzclub
History
Bix Beiderbecke
Geboren wird der Mythos Bix am 10. März 1903. Er beginnt jedoch viel früher, in der Mitte des
19. Jahrhunderts, als sein Großvater Carl Beiderbecke, wie viele Deutsche, in das aufstrebende Amerika
auswandert. Schon sein Vater Bismark kommt in Davenport, einem Handelsplatz im Mittleren
Westen, zur Welt und lernt hier seine zukünftige Ehefrau Agatha kennen. Davenport ist eine
deutsche Exklave direkt am Mississippi. Familie Beiderbecke hat sich hier einen ansehnlichen
Wohlstand erarbeitet und fasst Musik als wichtiges Kulturgut auf. In diesen Nährboden wird der
kleine Leon Bismark Beiderbecke als drittes Kind hineingeboren. Aus Bismark wird Bix, der
bereits mit vier Jahren das Klavier beherrscht und mit sieben Jahren in der Lage ist, alles
Gehörte in jeder Tonlage eigenständig nachzuspielen. Trotz oder gerade wegen seines
außergewöhnlichen Talents weigert er sich jedoch vehement, die Notenschrift zu lernen. So
auch bei seinem ersten Klavierlehrer Professor Charles Grande. »Bix überredete Professor
Grande, die Lektion für die nächste Woche zu spielen, und wenn der Professor dann die
nächste Woche wieder kam, spielte Bix sie genauso, wie er sie gehört hatte« (Charles Burnette
Beiderbecke ,Bix‘ Bruder). Baut der Professor einen Fehler in das Stück ein, spielt Bix ihn nach.
Spielt der Professor fehlerfrei, so kann er sicher sein, dass auch Bix‘ Imitat perfekt ist.
Die ersten Jazz-Klänge hört der noch junge Bix wohl von den Riverboats herüber wehen, die
den »New-Orleans-Style« vom Flussdelta im Süden nach Norden transportieren. Daraufhin
bringt er sich selbst das Kornettspielen bei und beginnt den Jazz nachzuahmen. Eine der vielen
Legenden um Bix besagt, dass seine Eltern ihn, erbost über die musikalischen Fehltritte des
Sohnes, in eine Akademie für junge Männer verbannen. Dass sich diese jedoch in der Nähe
von Chicago befindet, wird seinen kurzen Lebensweg maßgeblich beeinflussen. »Davenport
war eine überwiegend deutsche Stadt, deren Musik überaus streng organisiert war [...] , ein
punktiertes Achtel war ein punktiertes Achtel und ein Vibrato war »verboten«, allenfalls in einem
Solo zu entschuldigen, dann aber sparsam [...] wir Typen, die Jazz spielten, wurden mit
Stirnrunzeln betrachtet und als »chassers«, deutscher Akzent für »Jazzers«, verlacht.« Esten
Spurrier Bald ist Bix so in seiner Musik versponnen, dass die Leute denken, er sei »ein wenig
seltsam«. Bix verbringt seine Schulzeit lieber mit verschiedenen Jazzbands des »Hot-Spot-
Chicago« als in den miefigen Klassenzimmern der Akademie. Der Rauswurf folgt deshalb auf
dem Fuße. Allerdings zeigt er sich davon nicht sonderlich beeindruckt und entschließt sich
kurzerhand, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Er ist 18 Jahre alt als er schließlich das
erste Mal öffentlich auftritt. Die Gruppe » The Wolverines «, der er Anfang der Zwanziger
angehört, wird immer bekannter und trägt zum Boom des »Chicago Style« bei. Trotzdem zieht
Bix, der mittlerweile von seiner Perfektion und einem kaum zu erfüllenden Leistungsanspruch
getrieben wird, weiter und findet schließlich im Orchester von Charlie Straight Anschluss. Leider
dauert dieses Gastspiel nur vier Wochen, da er außerstande ist, die Arrangements zu lesen.
Wenn jemand Soli Note für Note nachspielt, beeindruckt ihn das keineswegs: »Ich fühle niemals
zweimal das Selbe. Das ist eines der Dinge, die ich am Jazz liebe. Ich weiß nicht, was als
nächstes passiert« Seine zahlreichen Projekte mit diversen Jazzbands und Musikern wie Jean
Goldkette und Frankie Trumbauer bringen ihn 1927 schließlich zu dem damals sehr bekannten
Orchester von Paul Whiteman, der auch unter dem Spitznamen »The King of Jazz« bekannt ist.
In dieser Zeit entstehen zahlreiche Alben unter eigenem und unter Whitemans Namen, von
welchen mehrere zu Kassenschlagern werden. Der Erfolg bringt jedoch auch Schattenseiten
mit sich, denn das häufige Touren und die langen Studioaufenthalte zehren an Bix‘ Substanz
und treiben ihn immer tiefer in eine exzessive Alkoholsucht. 1929 fährt er auf Anraten
Whitemans zur Erholung in seine Heimatstadt Davenport und unterzieht sich einer
Entziehungskur. Er findet danach jedoch nie wieder richtig ins Orchester zurück und stirbt am 6.
August 1931 im Alter von nur 28 Jahren an den Folgen seiner Alkoholsucht und einer
Lungenentzündung. Als er stirbt, ist Beiderbecke außer unter seinen Musikerkollegen kaum
bekannt und auch seine Musik findet bei Kritikern nur wenig Beachtung. Erst Jahre später
beginnen Autoren über den Ausnahmemusiker zu schreiben und es entsteht ein regelrechter
Mythos um den »Young Man with a Horn«. Die tragische Figur des musikalischen Genies aus
einfachen Verhältnissen, das oft keinen Wert auf sein Äußeres gelegt hat, die Klarheit seiner
Spielweise, sein Alkoholismus und sein viel zu früher Tod bieten nicht nur Stoff für zahlreiche
Bücher und Erwähnungen in den Memoiren seiner Kollegen, sondern auch für Filme. Diese
Glorifizierung macht es heutzutage schwer, die tatsächlichen Umstände seines Lebens,
Wirkens und Sterbens nachzuvollziehen. Unbestreitbar ist jedoch sein immenser Einfluss auf
die Jazz-Szene der zwanziger und dreißiger Jahre, die er durch seine einzigartige Spielweise,
sein Gefühl für Melodie und seine unverwechselbaren Soli maßgeblich geprägt hat.
Der BIX-Jazzclub
Seit der Eröffnung im Dezember 2006 haben jährlich weit über 20.000 Besucher das Angebot
genutzt, Konzerte von regionalen, nationalen und internationalen Jazzgrößen zu besuchen. Pro
Jahr finden etwa 250 Konzerte statt. Es haben sich Jazzlegenden wie Wynton Marsalis, Joshua
Redman, Richard Galliano oder Wolfgang Dauner ebenso die Ehre gegeben, wie Helen
Schneider, Till Brönner und Robben Ford. Gleich vom Start weg ist das Bix ein willkommener
Partner bedeutender Festivals wie den jazzopen, dem boomtown Jazzfestival sowie der
Stuttgarter Jazztage gewesen. Aber auch viele weitere Veranstalter sind bereits mit ihren
Produktionen zu Gast gewesen. Täglich erreichen das BIX im Durchschnitt 30 Auftrittsanfragen.
Gegründet worden ist der Club vom Verein Jazzcom e.V. mit Unterstützung von Sponsoren und
der Stadt Stuttgart. Im Oktober 2009 ist das BIX zu einer gemeinnützigen GmbH umgewandelt
worden. Sponsoren und Stadt begleiten den Club auch weiterhin. Die Gastronomie betreibt seit
Beginn die eigenständige Jazzclub Stuttgart Betriebs-GmbH.
Die Jazzszene im BIX
Grundsatz des BIX ist es, die regionale Jazzszene zu integrieren, zu fördern und als
multifunktionale Spielstätte dieser Szene eine Plattform zu bieten. Wichtig ist hier vor allem die
Zusammenarbeit mit der Stuttgarter IG Jazz und den anderen Jazzvereinen der Stadt –
gemeinsam werden immer im Herbst die »Stuttgarter Jazztage XL« veranstaltet. Die
Zusammenarbeit der Jazzakteure in Stuttgart hat sich durch diese BIX-Initiative deutlich
gesteigert und intensiviert. Da sich im BIX die regionale Jazzszene auch mit der internationalen
Szene treffen kann, haben sich hier bereits viele neue Begegnungen und Kontakte ergeben,
wie sie nur in einem solchen musikalischen »Melting Pot« stattfinden können. Durch den Club
und seine vielen internationalen Künstler hat die Stuttgarter Szene wieder Anschluss an die
weltweite Jazz-Familie gefunden. Die unmittelbare Nachbarschaft im Gustav-Siegle-Haus zu
den Stuttgarter Philharmonikern schlägt auch die Brücke zur Klassik, was zu gemeinsamen
Projekten und einer sehr lebendigen »Gustav-Siegle-Hausgemeinschaft« geführt hat. Auch das
Stuttgarter Kammerorchester gehört zu den wichtigen jährlichen Programmpunkten im BIX, wie
beispielsweise die gemeinsamen Gastspiele mit dem Pianisten Fazil Say oder dem Cellisten
Daniel Müller Schott.
Jazz - Kultur - Netzwerk
Viele Kooperationen mit anderen Kultureinrichtungen der Stadt zeigen, dass sich das BIX zu
einem festen Baustein im Gefüge der Kultureinrichtungen der Stadt entwickelt hat. So
kooperiert man zum Beispiel mit dem internationalen Trickfilmfestival, dem deutsch-türkischen
Forum, dem französischen Kulturinstitut, dem Popbüro Region Stuttgart, der Musikhochschule
Stuttgart, der Hochschule der Medien, dem Christopher Street Day e.V., der Stuttgarter
Musikschule, dem italienischen Kulturinstitut, dem Stuttgarter Literaturhaus, den Stuttgarter
Kriminächten e.V. – um nur ein paar zu nennen. In Kooperation mit der Kulturgemeinschaft wird
seit 2008 erstmals in Stuttgart ein »Jazz Abo« angeboten. Als Mitveranstalter der »Wiener
Woche«, gemeinsam mit dem Laboratorium, dem Theaterhaus, dem Theater Rampe und der
Rosenau, oder auch als Teilnehmer bei der »Stuttgartnacht« und den »American Days«
beschreitet das BIX immer wieder neue Wege und ist Partner im Netzwerk der Stuttgarter
Kultur. An fast allen Tagen bietet die Lounge im ersten Stock des Clubs »Jazz Neueinsteigern«
die Möglichkeit, sich bei freiem Eintritt an den Jazz anzunähern oder einfach die Atmosphäre zu
genießen. Immer wieder wird das Bix als Kulisse für Musikvideos, Filmproduktionen und
Fotoshootings angefragt. Der SWR veranstaltete bereits zwei Mal im BIX und dem gesamten
Gustav-Siegle-Haus seine SWR 1 Party. Der SWR, Arte, Regio TV und Sat 1 haben bereits
mehrfach im BIX Live-Konzertmitschnitte produziert. Das Freie Radio Stuttgart veröffentlicht
regelmäßig Live-Interviews aus dem BIX. Die Berichterstattung in den Printmedien ist
umfassend und in den nationalen und internationalen Jazzmagazinen ist das BIX eine feste
Größe. In Zusammenarbeit mit dem BIX-Hauptsponsor »Sparda Bank« konnte der »German
Jazz Trophy« ein neues Zuhause im Gustav-Siegle- Haus und dem BIX Jazzclub gegeben
werden. Die »German Jazz Trophy« ist eine gemeinsame Veranstaltung der deutschen
Jazzzeitung, des Vereins »Wort und Musik e.V.« und der Sparda-Bank. Preisträger waren z.B.
Erwin Lehn, Wolfgang Dauner, Hugo Strasser, Carla Bley oder auch Toots Thielemans.
Jazz für Kinder, Jugendliche und junge Jazzer
Die Stuttgarter Regionalentscheidung des Wettbewerbes »Jugend jazzt« des deutschen
Musikrates wird im BIX abgehalten. Auch die Preisträgerkonzerte der Jazz-Stipendiaten der
Kunststiftung Baden-Württemberg finden, mit Unterstützung des Rotary Clubs Stuttgart-
Solitude, hier statt. Viele der Abschlussprüfungen der Jazz/ Pop-Studenten der Stuttgarter
Musikhochschule werden ebenfalls im BIX veranstaltet. Gemeinsam mit dem Lions Club
Killesberg und der Musikhochschule Stuttgart ist der »Young Lions Jazz Award« entwickelt
worden. Dreimal pro Jahr wird einem besonders talentierten jungen Jazzmusiker dieser Preis
verliehen. Mit dem Preisgeld kann der Künstler die Verwirklichung von Projekten realisieren.
Einen besonderen Schwerpunkt sieht das BIX in der Jazzvermittlung für junge Menschen: Der
Gründungsverein des BIX, Jazzcom e.V., hat die Initiative »Jazz für Kinder« ins Leben gerufen
und veranstaltet diese Reihe, neben seinen Gastspielen im JES, auch mehrmals pro Spielzeit
im BIX. Darüber hinaus gibt es moderierte Jazzkonzerte am Nachmittag für Schülergruppen bei
Eintritten von ein bis drei Euro pro SchülerIn.
BIX Ausstattung
Das BIX verfügt über eine hervorragende Musikanlage, welche in einem sehr aufwendigen
Prozess an die Räumlichkeiten angepasst worden ist. Damit haben die Musiker optimale
Arbeitsbedingungen und das Publikum den bestmöglichen Klang. Auch für das leibliche Wohl
der Gäste ist gesorgt. Die Küche des BIX bietet wechselnde Speisen, und die Weinkarte erfüllt
höchste Ansprüche. Eine weitere Besonderheit ist die Lounge im ersten Stock. Hier wird das
Geschehen auf der Bühne auf einen Monitor übertragen. Der Live-Ton zum Bild kommt hier aus
einer separaten Anlage, die ebenfalls auf die Akustik der Lounge abgestimmt worden ist. Neben
der ausgezeichneten Cocktailbar kommen hier auch die Raucher auf Ihre Kosten – nicht zuletzt
wegen des hervorragend gefüllten Humidors. Schon von außen ist ein weiteres
unverwechselbares Merkmal des Jazzclubs erkennbar. Sowohl Fenster als auch einzelne
Wände im Innenbereich sind scheinbar wahllos mit schwarzen Punkten unterschiedlicher Größe
versehen. Doch der erste Eindruck täuscht, denn diese Punktfelder sind stark vergrößerte
Bildausschnitte einer Fotografie von Bix Beiderbecke (s. Seite 41). Der gleiche Effekt ist
erkennbar, wenn man das Bild, mit einer starken Lupe betrachtet. Was also im ersten Moment
planlos erscheint, folgt einem klaren Konzept. So findet sich ein grundlegendes Stilmittel des
Jazz sogar an den Wänden des Clubs wieder.
Programmatik
Programmatisch hat das BIX folgende Tagesbespielung:
Dienstag Young Jazz
Mittwoch Jazz national
Donnerstag Mainstream, Soul, Vocal Jazz
Freitag International Jazz
Samstag Mainstream, Soul, Vocal Jazz
Jeden Dienstag präsentieren Studenten der Musikhochschule Stuttgart aus den Studiengängen
Jazz/Pop eigene Programme, wobei die Hochschule der Medien mit ihren Studenten aus dem
Studienfach Tontechnik die Betreuung übernimmt und Live-Mitschnitte erstellt, welche das
Hochschulradio HoRadS sendet.
Mittwochs stehen Künstler aus Stuttgart, der Region und dem gesamten Bundesgebiet im
Focus.
Am Donnerstag und Samstag steht Vocal Jazz im Mittelpunkt. Hier werden auch jazzverwandte
Stile wie Soul, Funk und Blues präsentiert. Auch ein Wiedersehen mit bekannten Künstlern wie
Max Greger jun., Charlie Antolini und vielen anderen bekannten Jazzern ist an diesen Tagen
möglich.
Der Freitag steht ganz im Z eichen der internationalen Jazzgrößen. An diesen Tagen
präsentiert das BIX die aktuell wichtigsten Jazzmusiker der Zeit und ist damit sicherlich die
beste Möglichkeit für das Stuttgarter Publikum, Jazz auf Weltklasseniveau hautnah zu erleben.
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