Bix Jazzclub
Veranstaltungsdetails
19.3.2010 21:00 - Nils Wülker Group
http://www.nilswuelker.com/
http://www.myspace.com/nilswuelker
NILS WÜLKER - DIE TOUR ZUM NEUEN ALBUM ‚6’ Das Lustprinzip
6 – das ist die Zahl der Alben von Nils Wülker, die Zahl der Musiker auf seinem neuesten Werk, der Titel des neuen Albums. Pragmatisch, prägnant und unprätentiös, unverkennbar Nils Wülkers
Handschrift. Einerseits. Doch musikalisch dürfte „6” den Erwartungen des Feuilletons erst einmal diametral entgegenstehen. Denn das Album überrascht, schon der Opener „Fast Forward“ ist wie
eine vorweggenommene Inhaltsangabe: Es groovt, funkt und rockt, mit Lust an der Hookline und knarzendem Dreck unter den Ventilen. Eine vibrierende Mischung aus Kraft und Leichtigkeit – die
Schlagzahl für die restlichen neun Titel ist klar vorgegeben.
Ob das noch Jazz ist? „Ich weiß es nicht. Jazz ist mein Background, und das Album atmet sicher den freiheitlichen Geist dieser Musik. Aber: Darf man das?, darf man das nicht?, was sagt die
Jazztheorie? – diese Fragen haben mich noch nie umgetrieben. Mich interessiert nur: Ist die Musik intensiv? Dann packt sie mich. Und diese neue Richtung hat mich auf einen Schlag unfassbar elektrisiert.”
Mit „6” verlässt Nils Wülker die musikalische Linie der Vorgängeralben, ohne seine eigene zu verlieren oder gar zu verleugnen. Die Aufnahmen sind das Ergebnis einer organischen Entwicklung: „Ich habe zuletzt live einfach großen Gefallen daran gefunden, es richtig krachen zu lassen, und der Band ging es genauso.” Viele alte Titel bekamen ein neues Gewand verpasst, und als für eine Doppeltournee mit Stacey Kent das Programm gekürzt werden musste, blieben
plötzlich nur noch die rockigen Nummern übrig. Keine Frage: Für das neue Album musste etwas anderes her, roher und direkter als bisher.
Aus einer Laune heraus erweiterte Nils Wülker seine private Instrumentensammlung um Gitarre und Bass, spaßeshalber und um sich auszuprobieren. „Es war amüsant, musikalisch mal wieder
totaler Anfänger zu sein, das Spielkind herauszulassen und sich so neue Inspiration zu holen.” Ein
kurzzeitiger Perspektivenwechsel, untermalt von Miles Davis genauso wie von John Mayer, Phoenix oder Death Cab for Cutie im CD-Player, der immer neuen sanften Mädchenstimmen im
Jazz langsam überdrüssig. Und ganz konsequent fallen die neuen Stücke deutlich gitarrenlastiger aus, als es bisher der Fall war. Auf den letzten Alben übernahm Sting-Gitarrist Dominic Miller die
sporadisch anfallenden Gitarrenparts; nun gibt es mit Arne Jansen ein neues festes Mitglied in der Nils Wülker Group, und zwar sowohl auf dem Album als auch auf der Bühne, wo in Kürze bereits das zehnjährige Band-Jubiläum begangen wird. „Ich wollte einen sehr kompakten Band- Sound”, sagt Wülker, „das, was auch eine gute Rockband ausmacht. Und zum Stil der neuen Titel
gehörte für mich einfach deutlich mehr Gitarre.” Der Sound unterstreicht auch den Song- Charakter seiner Kompositionen, die zwar immer wieder Raum für die individuelle Klasse der
Musiker lassen, jedoch ohne diese Soli zu sehr in den Fokus zu rücken. Das Augenmerk gilt anderem: Nils Wülker gilt seit geraumer Zeit als der Songwriter unter den Jazzern, und mit „6”
geht er noch einen großen und entschiedenen Schritt weiter in diese Richtung. Alle Stücke folgen einem klaren Aufbau mit Strophen und Chorus. Die Melodiestimme übernimmt dabei im Normalfall
Wülkers Trompete, häufig im kongenialen Wechsel- und Zusammenspiel mit Jan von Klewitz am
Saxophon, idealtypisch zu hören in „Magnet”, wenn sich beide Instrumente fast symbiotisch zu ergänzen scheinen.
An zwei Stellen weichen die Instrumentaltitel tatsächlichen Songs, erstmals von Nils Wülker
selbst gesungen. „In der Vergangenheit hatte ich mir häufig Gastsänger eingeladen, weil ich
meiner Stimme nicht traute. Aber ein Song hängt so dermaßen stark am jeweiligen Sänger, dass
ich mir immer wie ein Gast auf meinem eigenen Album vorkam.” Nun also ohne Kompromisse,
ganz bei sich selbst, wie im hypnotischen “Perspective”: schnörkellos, unkompliziert und mit
kühler Klarheit in der Stimme.
„Ich war einmal so unvorsichtig zu sagen: ,Nein, ich singe nicht. Fertig.’ Aber meine
Kompositionen haben sich verändert, und ich habe dabei einen anderen Zugang zu meiner
Stimme gefunden. Das hat viel Zeit und etwas Mut gekostet – aber, hey, ich wollte es
ausprobieren!” Gesangstitel Nummer zwei bringt das auf den Punkt: “Easy” ist ein Song gegen
Bedenkenträgertum. Kein ablehnendes „Lass es”, Nils Wülker ist alles andere als ein negativer
Mensch, sondern mehr ein aufmunterndes „Mach es, wie du willst, aber mach es!” Und im Kern
ist es genau das, was jeder Note Nils Wülkers zugrunde liegt: sein eigenes Lustprinzip.
NILS WÜLKER - BIOGRAFIE
Es gibt dieses romantische Klischee von der fast erotischen Beziehung zwischen dem Musiker
und seinem Instrument – es wird zärtlich beim Namen gerufen, hat menschenähnliche
Wesenszüge und ist ein verständnisvoller Begleiter in buchstäblich allen Lagen.
Nein, Nils Wülker hat nicht viel übrig für Klischees. Schon gar nicht auf die Musik bezogen.
„Meine Trompete kommt nicht mit ins Bett.” Er schüttelt entschieden die kurzen blonden Haare,
ein Anflug von Lächeln in den Mundwinkeln. „Die bleibt abends im Studio. Sie ist mein Weg, mich
auszudrücken. Und nebenbei ein verdammt undankbares Instrument, das nicht viel verzeiht.”
Manchmal wundert sich Nils Wülker vielleicht selbst über den Weg, den ihn seine Musik hat
gehen lassen, und über das rasante Tempo, in dem dieser Weg beschritten wurde. Denn
eigentlich deutete anfangs wenig auf diese Karriere hin: Klavierunterricht mit sechs Jahren,
klassische Trompete mit zehn – Musik ja, aber nur als ein Hobby unter vielen. Ohne gesteigertes
Interesse der Eltern, mit nur durchschnittlichen eigenen Ambitionen.
Doch die Acid-Jazz-Welle der 90er öffnet Nils Wülker Augen und Ohren, Miles Davis’ epochales
Album “Kind of Blue” wird schließlich zum Erweckungserlebnis: Trompete kann nach mehr
klingen, als er je erwartet hätte. Diese Erkenntnis führt binnen weniger Jahre über Jazzorchester,
eigene Bands und unzählige Clubkonzerte bis an die Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin.
Noch während seines Studiums unterschreibt Nils Wülker als erster deutscher Jazzmusiker
überhaupt einen Vertrag bei Sony Music.
Viele Musiker sähen darin die Erfüllung ihrer Träume – Nils Wülker hingegen nimmt nur kurz
Witterung auf: Trotz großer Unterstützung durch den Plattenmulti entscheidet er sich nach nur
zwei Alben für eine andere Richtung und gründet 2005 in Hamburg sein eigenes Label EAR
TREAT music. Nils Wülker ist nun sein eigener Chef, von der ersten Note bis zum fertigen
Tonträger hält er alle Zügel in der Hand.
„Musik ist zwar sehr freiheitlich, aber Dinge wie Demokratie und Kompromisse funktionieren hier
nur bedingt. Musik braucht manchmal jemanden, der das letzte Wort hat, damit sie sich nicht in
Beliebigkeit verliert. Und letztlich weiß ich einfach am besten, wie meine musikalische Vision
klingen soll.”
Für diese Vision hat er früh seine Wunschformation um sich geschart, längst versteht man sich
wortlos. Die Nils Wülker Group bilden sein alter Weggefährte Lars Duppler am Piano, der
Saxophonist Jan von Klewitz, Dietmar Fuhr am Bass und Jens Dohle am Schlagzeug, an
passenden Stellen ergänzt von Gästen wie den norwegischen Jazzsängern Silje Nergaard und
Heine Totland oder dem Sting-Gitarristen Dominic Miller. Vor Kurzem stieß Arne Jansen als fester
Gitarrist zur Band.
Der kompromisslose Schritt in die Eigenständigkeit zahlt sich aus: Die bei EAR TREAT music
erschienenen Alben “My Game”, “Safely Falling” und “Turning the Page” werden von der Kritik
teils überschwänglich gelobt, Nils Wülker selbst zu einem Heilsbringer der hiesigen Jazzszene
stilisiert.
Dabei sind ihm solche Etiketten und definierten Genres völlig fremd: Ob er als Sideman Konzerte
mit Omara Portuondo spielt, der Grande Dame des Buena Vista Social Club, mit Fusion-Größen
wie Lee Ritenour und den Grusin-Brüdern tourt, im Studio gemeinsam mit Sting-Gitarrist Dominic
Miller arbeitet oder, wie jüngst geschehen, einen Track für Hip-Hop-Ikone Samy Deluxe
produziert, zu hören auf dem Album „Dis wo ich herkomm” – Nils Wülker macht einfach das,
worauf er Lust hat. Ohne Scheuklappen, ohne sich unnötig festzulegen.
Was zählt, ist vor allem Intensität, und das gilt für die Musik, genauso aber für alles andere, was
Nils Wülker sich vornimmt: den regelmäßigen Snowboard-Urlaub, die Reisen per Rucksack durch
Kambodscha, Laos und Vietnam, Mountainbike-Touren über die Alpen. Vor allem für das Klettern
– nach dem Studiotag an einer Hallenwand oder aber im Urlaub auf einen 4000er in den Alpen.
Er entspricht nicht unbedingt dem typischen Bild eines Jazzmusikers, sofern es das überhaupt
gibt. Nils Wülker lächelt entspannt, mit einem vergnügten Blitzen in den Augen: „Um gleich noch
mit einem weiteren romantischen Musikerklischee aufzuräumen, das auf mich nicht zutrifft: Kunst
muss nicht aus Leiden entstehen. Ich bin ein optimistischer Typ, ich habe unglaublichen Spaß an
allem, was ich mache. Und deshalb darf meine Musik auch ruhig so klingen.”
PRESS QUOTES
„Ein großer Melodiker“ DIE ZEIT
„Nonverbale Top-Hits mit Tiefenwirkung“ DIE WELT
„Wülker gehört zu der mittlerweile imposanten internationalen Phalanx
selbstbewusster Trompeter, die hemdsärmlig-vital daherkommen, aber darunter eine große
Sensibilität verbergen. Und ein untrügliches Gespür für Melos besitzen. Es hat dem Jazz lange
gefehlt. Gute Aussichten für die Zukunft.“ FAZ
„Jazz kann so aufregend sein.“ Mannheimer Morgen
„So sehr die dem Pop zugeneigte junge Klientel die gute Unterhaltung im Wülker-Gewand zu
schätzen weiß: Unter Niveau amüsiert sie sich dabei keineswegs (...). Im Jazz dieses Lamms mit
Löwenherz scheinen sie beide zugleich, die Sonne und der Mond.“ Welt am Sonntag
“Wülker und seine Band gehören zum Besten, was Deutschland musikalisch zu bieten hat.”
SHZ
“Wülker ist ein umwerfender Techniker, ein beseelter Musikant und ein Komponist, der aus
einfachen Themen grandiose Kompositionen zaubern kann.” Hamburger Abendblatt
“Nils Wülker in die Nähe weitaus bekannterer Stars wie Chet Baker und Miles Davis zu rücken
wird seiner Musik nur zu gerecht. (...) Ein eigenständiger Jazzmusiker, der den internationalen
Vergleich sicher nicht zu scheuen braucht. (...) Pures Kino für die Ohren.” FONO FORUM
„Es ist fast ein Ding der Unmöglichkeit angesichts der zahlreichen originellen und mitreißenden
Funk-Jazz-Groove-Songs still zu sitzen.“ Badische Neueste Nachrichten
Nils Wülker (trumpet, fluegelhorn, vocals)
Jan von Klewitz (sax)
Arne Jansen (guitars)
Lars Duppler (piano, fender rhodes)
Edward Maclean (bass)
Jens Dohle (drums)
Sitzplatz: 18,00 € (Ermäßigt 16,00 €)Stehplatz: 14,00 € (Ermäßigt 12,00 €)