Burnt Friedmann und Jaki Liebezeit
Do 22. Juli 2010 | 22:00
Burnt Friedmann und Jaki Liebezeit
Spricht man über innovative Musik aus Deutschland während der musikhistorisch aufregendsten Epoche, dann fallen fast immer drei Namen: Kraftwerk, Neu und Can. Als Drummer der Letztgenannten war Jaki Liebezeit bereits in den 70er Jahren eine der auffälligsten Figuren – sein minimales, auf Zyklen beruhendes Spiel muss als originäre musikalische Erfindung gelten. Bereits in den 60er Jahren sind seine ersten musikalischen Aktivitäten zu verzeichnen, hauptsächlich im Bereich des Jazz: So spielte er u.a. mit Chet Baker und gehörte dem Manfred Schoof Quintett sowie dem Globe Unity Orchestra an, bevor er 1968 mit den beiden Stockhausen-Schülern Holger Czukay und Irmin Schmidt sowie Michael Karoli die Formation Can gründete. Mit seiner reduzierten, repetitiven Spielweise auf einem von ihm selbst modifizierten Schlagzeug ohne Fußpedale hatte Liebezeit nicht nur großen, sondern sogar maßgeblichen Anteil am unverwechselbar hypnotischen Sound der Band; zu hören etwa auf „Spoon“, der Titelmelodie für die dreiteilige Francis-Durbridge-TV-Krimi-Serie „Das Messer" mit Hardy Krüger, einem der größten Erfolge von Can. Liebezeits rhythmische Auffassung als Schlagzeuger entspricht bereits in dieser Zeit einer Vorwegnahme der Idee des Loops: „Du musst monoton spielen, also immer wieder das gleiche, den gleichen rhythmischen Zyklus wiederholen, wiederholen, wiederholen. Dann entsteht Groove.“ Sein Band-Kollege Holger Czukay formulierte es einst so: „Jaki spielt wie eine Maschine. Bloß besser.“ Heute wird er als einer der fünf einflussreichsten Schlagzeuger weltweit gehandelt. Der Name des deutschen Musikers und Producers Bernd Friedmann alias Burnt Friedman hat einen sehr guten Klang bei Freunden der elektronischen Musik, ist er doch in der Elektronik-Szene als Innovator weitab gängiger Trends bekannt. Seine Aufnahmen als Nonplace Urban Field sowie sein zusammen mit Uwe Schmidt alias Atom Heart initiiertes Projekt Flanger setzten in den 90er Jahren Standards für ambitionierte elektronische Musik, auch abseits der Dancefloors. Seit 2000 betreibt er das Label Nonplace. Die Zusammenarbeit von Friedmann und Liebezeit als Burnt Friedman & Jaki Liebezeit besteht seit 2001 und ist ein Glücksfall generationsübergreifenden Musizierens, weil Friedman (Jahrgang 1965) und Liebezeit (Jahrgang 1938) in ihrem forschenden Zugang und experimentellen Interesse auf der gleichen Wellenlänge liegen: Auf ihren drei bisherigen Alben, „Secret Rhythms 1“ bis „Secret Rhythms 3“, teilen sie ihre Vorliebe für so genannte ’geheime Rhythmen’, wobei nicht versteckte Muster gemeint sind, sondern wenig gebräuchliche, der westlichen Kultur fremde Rhythmen. Die beiden Künstler haben sich ganz bewusst von west-europäischen, anglo-amerikanischen Schemen abgewendet, um ihre Formensprache auf alle global verfügbaren Rhythmen zu erweitern. Jaki Liebezeit: „Unsere Musik hat möglicherweise viele Elemente dieser Erde aufgenommen, ohne bestimmte Elemente zu featuren. Die einzelnen Elemente sind abstrahiert worden, da ist kein nationaler Charakter mehr vorhanden oder ethnischer Charakter, nichts Typisches aus Sevilla, aus Istanbul, sondern es sind die Gemeinsamkeiten, die alle Musikarten gemein haben. Diese sind abstrahiert und verarbeitet worden." Friedmans amorphe Sequenzen und ortlose Klangpartikel folgen demselben Modell, so dass sich zwei heterogene Klangerzeuger – akustisch und elektronisch, bzw. improvisatorisch und konzeptionell – perfekt verzahnen und eine Einheit bilden können. Auf allen drei Alben ist Burnt Friedman für Produktion, Overdubs und Arrangement der Stücke verantwortlich. Was etappenweise über Monate hinweg im Studio oder Proberaum aufgenommen wurde, erscheint schließlich in gebündelter Form als Songs von fünf bis zehn Minuten Länge, obwohl Anfang und Ende dieser Musik eigentlich unbekannt sind. Alle Stimmen und Elemente, die sich wie auf einer Kette im Kreis vorwärts bewegen, sind gleichberechtigt. Elektronik und Akustik klingen wie selbstverständlich zusammen, weil das rhythmische Regelwerk stimmt, das den Kern der Musik bildet. Die Online-Redaktion von ARTE urteilte: „Friedman und Liebezeit ist eine grandiose synergetische Melange der Musikstile gelungen, die sich um das zentrale Element einer jeden Musik dreht, nämlich den Rhythmus.“ Die Veröffentlichung von „Secret Rhythms 4“ ist für 2010 angekündigt. Zwischen 2006 und 2008 sind sie auf etlichen renommierten Festivals in ganz Europa aufgetreten, darunter beim Punkt Festival (Norwegen), beim Jazzfestival Saalfelden (Österreich) und den Musiktagen in Donaueschingen. Im Rahmen der jazzopen sind Burnt Friedman & Jaki Liebezeit nun erstmals in Stuttgart zu Gast. Um der Popularität und der Tanzbarkeit des Acts Rechnung zu tragen, werden an diesem Abend die Tische abgeräumt – entsprechend erhöht sich das Stehplatzkontingent des Clubs. Besetzung: Burnt Friedman (electronics) Jaki Liebezeit (dr) Tickets sind für beide Konzerte gültig. Tickets sind an der BIX Abendkasse von Di - Sa ab 18.30 Uhr, über www.jazzopen.com, bei Easyticket oder telefonisch unter: 0711-99 79 99 99 erhältlich.

Tickets im VVK:
Sitzplatz 0,00 € (Ermäßigt 0,00 €)
Stehplatz 0,00 € (Ermäßigt 0,00 €)

Tickets an der Abendkasse: Jeweils zzgl. 2 Euro