FLAMMEN  - VERBOTENE KLÄNGE / DAS SUBVERSIVE SAXOPHON
Di 4. Juni 2013 | 21:00
FLAMMEN - VERBOTENE KLÄNGE / DAS SUBVERSIVE SAXOPHON
75 Jahre „ENTARTETE MUSIK“ VERFOLGTE MUSIKER GESTERN UND HEUTE +++ zum Gedenken an zwei tragische Ereignisse und deren Jahrestage: 10. Mai 2013 - 80 Jahre Bücherverbrennung durch die Nazis 24. Mai 2013 - 75 Jahre Ausstellung „Entartete Musik" - moderiert von Reiner Weigand +++ Auf dem Foto: Die Saxophonistin Nikola Lutz +++ Alle zeitgenössischen Komponisten, die sich nicht in ausgetretenen Bahnen des Nationalsozialismus bewegen wollten, deren Werke den Puls der Zeit atmen sollten, setzten sich begeistert mit dem Jazz auseinander und ließen sich von ihm anregen und beeinflussen. Zwei der wichtigsten stehen im Mittelpunkt des Abends: Hanns Eisler und Erwin Schulhoff. Hanns Eisler, befreundet mit Bert Brecht (mit dem er auch ins Exil ging und wieder zurückkehrte), wurde als Kommunist zwar weitgehend aus dem Musikleben (selbst dem der DDR) verdrängt, doch nie vollständig. Erwin Schulhoff wurde erst vor einigen Jahren wieder entdeckt. Geboren 1894, so interessierte er sich für alle radikalen Richtungen der Avantgarde, für Dadaismus und Jazz, wofür die Hot Sonate für Altsaxophon und Klavier ein hervorragendes Beispiel darstellt. Nach der Machtübergabe an die Nazis wandte er sich der kommunistischen Bewegung zu und konnte seine Karriere in Deutschland nicht fortsetzen. Die für Berlin geplante Erstaufführung seiner Oper «Flammen» wurde verhindert. Im Juni 1942 wurde er in Prag verhaftet, wo er sich als Jazzpianist durchschlug. Er starb er im August 1942 in der Haft an den Folgen von Unterernährung, Erschöpfung und Krankheit. Die Mitwirkenden des Abends: Ursula Mamlok, von der das Stück „Rückblick: In Retrospect: Kristallnacht, November 9, 1938“ für Saxofon und Klavier zu hören sein wird, musste 1939 ins Exil in die USA fliehen. Seit ihrer Rückkehr lebt sie in Berlin. Nikola Lutz studierte klassisches Saxofon und Musiktheorie in Bordeaux und Stuttgart. 1998 war sie Stipendiatin der Kunststiftung Baden-Württemberg. Seither hat sie als Saxofonistin an zahlreichen Uraufführungen in verschiedenen Orchestern, Ensemblebesetzungen und als Solistin mitgewirkt. Durch die Vergabe von Kompositionsaufträgen z.B. an Malte Giesen, Makiko Nishikaze, Christophe Havel, Eric Schwartz, u.a. leistet sie einen umfangreichen Beitrag zur Erweiterung des Repertoires ihres Instruments. Neben ihrer regen Konzerttätigkeit beschäftigt sich Nikola Lutz seit 1996 mit Komposition und setzte sich mit Möglichkeiten der Erweiterung des Instrumentariums durch Elektronik auseinander. Seit 2006 ist Nikola Lutz Dozentin für klassisches Saxophon an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. 2010 wurde Nikola Lutz mit dem 1. Preis (Prix du Conseil Général des Hauts de Seine) und mit dem Publikumspreis beim internationalen Saxofonwettbewerb in Paris / Villa d'Avray ausgezeichnet. Die Pianistin Julia Kunşek ist Preisträgerin verschiedener internationaler Wettbewerbe, u.a. „Sergej Prokofiev" / St. Petersburg, „Concours Musical De France" / Paris. Um das Spektrum „entarteter Musik 1938" zu komplettieren, stehen auch Polit-Songs und Schlager, u.a. von Holländer, Eisler, Weill – und vorgetragen von Reiner Weigand vom THEATERschräglage – auf dem Programm. Seit vielen Jahren ergreift Reiner Weigand mit seinen musikalisch-literarischen Programmen Partei für engagierte und oftmals unterdrückte Autoren wie Mumia Abu Jamal, Yasar Kemal, Ken Saro Wiwa. Mit der Niederschlagung des Dritten Reiches sind Verfolgung und Unterdrückung fortschrittlicher Musiker freilich nicht auch mit verschwunden. Deshalb der zweite Teil mit Werken zeitgenössischer Musiker. Lieder von den beiden Freunden Mikis Theodorakis und Zülfü Livaneli, Symbolfiguren ihrer Länder, Türkei und Griechenland, die für Freiheit und Menschenwürde stehen, bringen die türkische Sängerin und Performance – Künstlerin Ninel Çam (mehr zu ihrer künstlerischen Tätigkeit auf www.ninel.de) und Reiner Weigand, von Günay Gökoğlu an der Gitrarre und Julia Kunşek am Klavier begleitet. Das so weit gespannte Programm ist eine bemerkenswerte Entscheidung. Und umso interessanter das Experiment, die Wechselwirkung der verschiedenen Stile und Genres erlebbar zu machen. Moderne Klassik und Populär-Musik meets Jazz, eine ihrer stärksten Wurzeln. Jazz beweist wieder einmal seinen genuinen Nonkonformismus. „FLAMMEN“ – ein Titel, der furchtbare Assoziationen bei diesem Jubiläum auslösen kann, ein Titel, der aber auch Assoziationen an den mythischen Vogel Phönix zulässt, der immer wieder mit neuem Leben aus der Asche steigt. Der immer wieder das innere Feuer in sich und den anderen entzündet. Denn es ist den Barbaren nicht gelungen, die Kultur zu zerstören. In Gedenken an: (ERWIN SCHULHOFF, HANNS EISLER, ZÜLFI LIVANELLI, MIKIS THEODORAKIS, ROMA ROMANI u.a.) mit: Nikola Lutz (Sax), Julia Kunşek (Piano), Ninel Çam (Vocal), Reiner Weigand (Moderation und Vocal) +++ Kein Memberrabatt auf diese Veranstaltung!

Tickets im VVK:
Sitzplatz 14,00 € (Ermäßigt 0,00 €)
Stehplatz 8,00 € (Ermäßigt 0,00 €)

Tickets an der Abendkasse: Jeweils zzgl. 2 Euro