BIX TIPP: Chrysta Bell presented by David Lynch - "This Train"
Di 18. März 2014 | 20:00
BIX TIPP: Chrysta Bell presented by David Lynch - "This Train"
Tickets im VVK über: www.mruss-tickets.de Sitzplatz: 28,30 Euro/ Bar-& Stehplatz: 23,70 Euro ++++ Chrysta Bell präsentiert ihr Solo-Debüt: „This Train“ (VÖ: 31.01.2014) +++ „Chrysta Bell sieht aus wie ein Traum und Chrysta Bell singt wie ein Traum. Und der Traum wird Wirklichkeit.“ - David Lynch „David Lynch hat mir nicht nur die Zuversicht geschenkt, als Solokünstlerin zu reüssieren. David Lynch hat mir eine Stimme geschenkt, eine Persönlichkeit und ein Album. Es ist die wichtigste Erfahrung meinees Lebens und die Arbeit, für die ich bei weitem den größten Stolz empfinde. Er hat erreicht, dass ich mich selber als Sängerin begreife.“ - Chrysta Bell +++ Das Konzept von Künstler und Muse ist wohl ebenso alt wie die Kunst an sich. Stets war es das schöne Geschlecht, das Künstler zu neuen Höhenflügen anstachelte, das becircte, inspirierte, schmeichelte und mit purer Schönheit konfrontierte. Ob Bildende Kunst, Malerei, Musik, Literatur: Wie viele herausragende Meisterwerke wären ohne das Konzept der Muse nie entstanden. Und doch schien diese besondere Dichotomie aus Nähe und Distanz, aus Liebe und artifizieller Verbindung in der modernen Informationswelt an Bedeutung zu verlieren. Künstler konfrontieren sich heute häufiger mit Politik, Gesellschaft und Kontroverse als mit der reinen Schönheit. Hat die Muse ausgedient? Der Filmemacher David Lynch tritt den Gegenbeweis an – und präsentiert der Welt die außergewöhnliche, aufregende, mit ätherischer Sexyness aufgeladene Chrysta Bell. Chrysta Bell verfügt über alle Qualitäten, die eine Muse in der heutigen Welt benötigt. Sie ist mutig und doch besonnen, ein Top-Model der Gegenwart und Pin-Up-Girl der Vergangenheit, eine Frau voller Philosophie und Sex, Tradition und Modernität, gedanklicher Tiefe und humorvoller Direktheit. „Ich bin einfach ich“, sagt sie im Interview, „und könnte auch gar nichts anderes sein. Auch bei meinen Arbeiten als Model gebe ich stets ein Stück von mir weg, es existiert kein Foto, auf dem ich mich nicht zumindest ein Stück weit als Person offenbare. Ich brauche diese Authentizität in der Arbeit, sonst wirkt sie falsch und unnatürlich für mich.“ Natürlich ist ihr bewusst, wie sehr sie damit aus dem Rahmen der heutigen Model-Plastik-Welt fällt. Aber genau das macht sie gerade so besonders. Es existiert kein wikipedia-Eintrag über dieses „sexy alien“, wie David Lynch sie nennt. Überhaupt findet man im Internet – neben vielen restlos verzaubernden Fotos, die mit den Stilen der Jahrzehnte jonglieren, als wäre es ein Kinderspiel – kaum Informationen über sie. Bis auf ein paar Konzert-Reviews, in denen gestandene Journalisten die blumigsten Vergleiche bemühen, um Chrysta Bells Magie auf die Schliche zu kommen. Bell wird damit alters- und heimatlos, wird zu einem Mysterium in einer Welt, in der jeder alles über jeden noch so nebensächlichen Promi weiß. Natürlich ist dies ein geschickt kreiertes Mysterium – und zugleich die einzig treffende Darstellungsform für diese Frau, die in ihrer Erscheinung ebenso viel Dunkelheit und Spookyness besitzt, wie sie beizeiten offensiv mit ihrer brachialen Fraulichkeit spielt. Zweifellos ist es genau kalkuliert, wenn Chrytsa Bell auf der Bühne, während sie mit ihrem sanften und doch rauen, schmeichelnden und doch verstörenden Timbre dunkle Songs intoniert, sich ihrer Bluse entledigt und die anwesenden Zuschauer in einem 30er-Jahre-Bustier schier um den Verstand bringt. Und doch käme niemand auf die Idee, ihr vorzuwerfen, offensiv mit ihrem Sex zu spielen. Denn auch das ist authentisch, es spiegelt den Moment des Songs wider, den sie gerade performt. Ebenso zutiefst authentisch sind die elf Songs ihres Debütalbums „This Train“ geraten, entstanden in David Lynchs eigenem Sound-Studio in Hollywood über einen Zeitraum von einem Jahrzehnt (!). „Ja, es war eine lange Zeit“, lächelt sie, „und doch war es genau richtig so. Die Form von Musik, für die wir uns entschieden haben, die Bedeutungen der Texte, das Finden einer Persönlichkeit als Sängerin: das alles brauchte eben seine Zeit. Und die haben wir uns genommen.“ Lynch stieß auf Chrysta Bell, „als ich quasi noch ein Teenager war. Wir wurden einander vorgeestellt, und er schien von mir auf eine besondere Weise berührt zu sein. So lud er mich in sein Studio ein.“ Gleich bei dieser ersten Begegnung schrieben sie einen Song zusammen, er trägt den prophetischen Titel „Right Down to You“ und befindet sich nun auch auf Chrysta Bells Debütalbum. „Es war wirklich magisch“, erinnert sie sich. „David und ich verfügen über ein geradezu transzendentales Verständnis, wenn es um Musik geht. Wir sprechen kaum über das, was gerade entsteht – es entsteht einfach. Irgendetwas macht ‚Klick’, sobald wir im Studio sind. David entwirft eine Soundcollage, hat ein paar Textzezilen, und unmittelbar fallen mir die passenden Melodien ein.“ Welche der Großmeister selbst rühmte als „etwas, das nicht von dieser Welt stammt.“ Tatsächlich gelingt es Bell, den oftmals abstrakt komponierten, sich von jedem klassischen Strophe-Refrain-Format gänzlich loslösenden Klangtexturen Lynchs eine zutrauliche, verbindliche Komponente zu verleihen, oder anders gesagt: Aus den klaustrophobisch mäandernden Klangwelten mit einer berückenden Melodie echte Songs zu formen. Bell verhilft damit David Lynchs sehr cineastisch geprägter Musik zu dem notwendigen Quentchen Nachvollziehbarkeit und Wiedererkennungswert. In ihrer Kombination entsteht dabei etwas Einzigartiges, das ebenso an jazzige Portishead erinnert wie an eine sakrale Julie London, eine morbide Rita Hayworth oder die verlorene Seele einer Isabella Rosselini in „Blue Velvet“. Bell wurde geboren in San Antonio und wuchs mit ihrer Mutter, einer professionellen Sängerin, und ihrem Stiefvater auf, der ein Tonstudio besaß. Schon als Kind „hatte ich die Gelegenheit, mich an diese erdrückende Stille einer Gesangskabine zu gewöhnen. Ich finde diesen Ort sehr angsteinflößend – es ist so still darin, dass man seine Organe arbeiten hören kann. Anfangs hat mir das Angst gemacht, aber mein Stiefvater hat mir diese genommen.“ Und es führte schon im Kindesalter zu ersten Einsätzen als Sängerin, etwa für TV-Jingles. Mit 13 begann Bell mit dem Musiktheater, war für längere Zeit ein Mitglied der RCA-Swing-Band 8 ½ Souvenirs und bekam über die Jahre immer wieder Gelegenheiten, sich musikalisch auszuprobieren – so etwa an der Seite von Willie Nelson, Brian Setzer, Donovan oder Adrian Utley von Portishead. „Das waren alles spannende Erfahrungen“, sagt sie rückblickend. „Doch keine davon hätte mich davon überzeugt, dass ich tatsächlich eine Sängerin bin. Das war alles mehr ein Hobby, eine interessante Chance.“ Erst Lynch verhalf ihr zu der inneren Überzeugung, dass sie mehr sein kann als eine hübsche Gesangs-Stafette. Bell lebte damals in Texas, und so blieben die Studio-Sessions mit Lynch sporadisch. „Immer wenn ich nach L.A. kam, habe ich ihn angerufen und gesagt: ‚David, ich bin in der Stadt, hast du Zeit?’ Wenn er welche hatte, haben wir weiter gearbeitet; war er beschäftigt, blieb unsere Musik liegen. Ich war jedes Mal sehr froh und aufgeregt, wenn er sagte ‚Komm vorbei’. Denn sein Studio mit all diesen alten Vintage-Instrumenten und blinkenden Apparaturen war für mich wie eine Schutzhülle, ein Zufluchtsort in dieser Hektik von L.A., wo ich alles abstreifen und ganz ich selbst sein konnte.“ So entstand „This Train“ eben in endlos vielen kleinen Sessions seit der Jahrtausendwende. „Es stand auch nie im Raum zu sagen: das wird ein Album. Darum ging es nicht“, sagt sie. „Es ging nur um den Prozess und das Erleben dieser besonderen Momente, wenn unsere kreativen Gene sich miteinander verdrahten.“ Erst wenige Monate, bevor das Album in den USA erschien, eröffnete Lynch ihr die Möglichkeit, dass man ihre Musik veröffentlichen sollte. „Ich war erst erschrocken, dachte dann aber, dass es schon schade wäre um all die Arbeit. Ich war David es irgendwie schuldig, dass wir ein Album daraus machen.“ Und nun, da sie von der Welt als außergewöhnliche Chanteuse zwischen allen Stühlen und Stilen wahrgenommen wird – was passiert jetzt? „Nun, ich finde mich in meine neue Rolle“, lächelt sie. „Ich beginne es sehr zu schätzen auf der Bühne zu stehen, auch wenn es Abende gibt, wo mich das immer noch sehr herausfordert.“ Begleitet von einem sehr souverän und unaufdringlich agierenden Trio erweisen sich Chrysta Bells Konzerte als bemerkenswerte konzertante Entsprechungen zu der mysteriösen Unnahbarkeit und zugleich Dringlichkeit eines David Lynch-Films. „Künstlerisch, so befürchte ich, werde ich jetzt gerade erst erwachsen“, sagt die wahnsinnig geschmeidig ins Mikro hauchende Traumfrau. „Aber es ist ein schöner Prozess. Der mich unter anderem zu folgendem Ergebnis geführt hat: Sollte ich ein weiteres Album aufnehmen, so darf das nicht wieder zehn Jahre dauern. Denn dann bin ich eine alte, faltige Frau und damit sicher nicht mehr so aufregend, wie man mich derzeit findet.“ Dies indes dürfte eine gänzlich unnötige Befürchtung sein.

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