BIX TOP ACT: Eivind Aarset - CD Release "I.E."
Fr 16. Oktober 2015 | 21:00
BIX TOP ACT: Eivind Aarset - CD Release "I.E."

Mehr als irgendein anderes Instrument steht die elektrische Gitarre seit 1967 für die Auflösung der Grenzen zwischen Jazz und Rock. Unzählige Gitarristen haben seither individuelle Lösungen für die Verbindung beider Genres gefunden, doch nur wenige gehen so weit wie der Norweger Eivind Aarset.

 

Vom Peloton seiner Kollegen unterscheidet ihn die Tatsache, dass er nicht aus dem Jazz, sondern von Jimi Hendrix kommt und seine Laufbahn mit Heavy Metal begonnen hat. Diese Erfahrung befreit nicht nur das Sichtfeld, sondern entledigt ihn auch jeglichen Zugzwangs, auf seinem Instrument etwas beweisen zu müssen.

Der Skandinavier mit der weißblonden Mähne bevorzugt einfache Kontexte, die es ihm erlauben, im Ton zu schwelgen, sich über den simplen Dualismus von Jazz und Rock hinwegzusetzen und im gleichen Zug alle intellektuellen Widerstände des Hörers zu überwinden.

Aarsets Musik verlangt nach keinerlei Voraussetzung, sie will einfach nur absorbiert werden, möglichst mit jeder Körperzelle.

 

Eivind Aarset verstärkte mit seinem unverwechselbaren Sound unter anderem die Gruppen von Nils Petter Molvaer, Ketil Björnstad und Bugge Wesseltoft. Der Name seiner langjährigen Band Électronique Noire verrät, dass da Momente von Soundtrack und elektronischer Musik hinzukommen.

Darüber hinaus kennt Aarset keine Berührungsängste vor Ambient, Postrock, Drum’n’Bass, Noise Music und anderen Idiomen. Es geht immer um den kürzesten Weg, Gefühle oder Stimmungen adäquat auszudrücken und die direkte Verbindung zum Hörer aufzubauen. Eivind Aarset ist ein Sender, dessen Antennen stets auf Empfang gestellt sind.

 

Sein neues Album „I.E.“ hat der Gitarrist einmal mehr mit dem Sonic Codex Quartet eingespielt, mit dem er auch auf Tour gehen wird. Innerhalb dieser Band verwischt er nicht nur die Grenzen zwischen den Genres, sondern lost auch die Funktionen von Leader und Sidemen auf.

Zur Seite stehen ihm drei Musiker, die ihrerseits seit Jahren als gestaltende Grenzgänger von sich reden machen. Drummer Erland Dahlen hat nicht nur in der Rockband Madrugada Rockgeschichte geschrieben und seit längerer Zeit mit seinen archaischen Drum-Grooves Nils Petter Molvaers ätherische Trompetensounds grundiert, sondern mit seiner Solo-Platte „Rolling Bomber“ eines der eindrucksvollsten Klanggemälde der jüngeren Zeit geschaffen.

Komplettiert wird die Band durch zwei weitere Allrounder: Audun Erlien spielt Keyboards und Bass und Wetle Holte sitzt hinter dem zweiten Schlagzeug.

 

Gemeinsam unternehmen die vier Musiker eine Reise in die vierte Dimension. Was relativ linear beginnt, baut sich immer mehr auf, erst zur Klangfläche, dann zum Soundspace und bricht schließlich in Dimensionen auf, für die herkömmliche Beschreibungen völlig unzulänglich sind. Indem sie unentwegt zwischen Science Fiction und gefühlter Erinnerung umschalten, gelingt ihnen ein verwirrendes Spiel aus Gravitation und Fliehkraft, eine rastlose Wurmlochjagd von einem Klangquadranten zum nächsten und eine Art Malefiz mit jeglichen Erwartungen. Vor jedem Auftritt steht nur eines fest: Aarset und Co. werden den Hörer mit in unerhörte Welten nehmen. Diese Welten im Voraus zu verorten, ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Eivind Aarset, Erland Dahlen, Wetle Holte und Audun Erlien sind nur einem einzigen Kanon verpflichtet, und das ist ihr ureigener Sonic Codex. Ein unbegrenztes Regelwerk der spielerischen und gestalterischen Möglichkeiten, das für jeden, der sich aus welcher Perspektive auch immer darauf einlässt, eine Art Läuterung darstellt.

Der Zugriff dieser Sounds ist universal und verändert zumindest für den Augenblick alles. Einen Auftritt von Eivind Aarsets Sonic Codex hakt man nicht einfach ab, sondern man nimmt ihn über die Körperresonanz mit nach Hause, auf dass er sich über viele Wochen und Monate in Kopf und Blutbahn entfalten kann.

 

Line Up:

Eivind Aarset (guit); Audun Erlien (b); Wetle Holte (dr); Erland Dahlen (dr, perc)

 

Mehr Infos unter:

www.eivindaarset.com

 

Text: Wolf Kampmann



Tickets im VVK:
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