Guttenberger Brothers
Mi 1. März 2017 | 20:30
Guttenberger Brothers

Im deutschsprachigen Raum gibt es nicht viele Swing-Bands, die es schaffen, mit eigenen Songs und deutschen Texten ein Millionenpublikum anzusprechen. Roger Cicero ist es mit seiner Big Band gelungen – und die Guttenberger Brothers können das auch!

Die Presse verortet den Stil der Guttenberger Brothers bisher wie folgt: „Angejazzter Popswing oder smoother Popjazz mit Gesang zumeist in deutscher Sprache und Sinti-Gitarristik zwischen Django-Swing und modernem Mainstream“.

Damit ist wohl auch der Zeitgeist getroffen, zumal die Popmusik, welche sich hierzulande gerade in deutscher Sprache emanzipiert, das massentaugliche Musikgenre schlechthin ist. Die Band selber sieht sich aber auch beim Gypsy-Jazz. Seit dem Film „Chocolat“ von Lasse Hallström aus dem Jahr 2000 nach der Romanvorlage von Joanne Harris gehört Jazz Manouche längst zum guten Ton der europäischen Kulturwelt, vor allem Dank Johnny Depps Engagement als musizierender Zigeuner.

In dieser Tradition stehen die Guttenberger Brothers aus Stuttgart. Mano Guttenberger und sein Bruder Knebo sind die Namensgeber und beide Sprösslinge einer Sinti-Familie aus Stuttgart, die sich schon am Hof des Württembergischen Königs als Musiker ihren Lebensunterhalt verdient hat.

Die Guttenberger Brothers tretem allerdings zu sechst auf. Eine „ordentliche“ Musikkapelle mit Schlagzeuger Christoph Raff, Saxophonist Stefan Koschitzki, Frank Eberle am Piano und Branko Arnsek am Kontrabass. Mano ist der Solist an der Gitarre und Knebo der smarte Crooner in der Tradition eines Frank Sinatras oder eines Roger Ciceros.

Ohne ihre (Sinti-)Wurzeln zu ignorieren ist dieses Ensemble in der Musik weitergegangen und im Heute angekommen. Die Besetzung ist durch Saxophon, Klavier und Schlagzeug zum Jazzbandformat angewachsen, bedient jedoch nach wie vor – durch das Spiel der Sologitarre sowie ab und an durch die traditionellen Rhythmusgitarre – das Klischee der Jazz Manouche Band. Die Eigenkompositionen der Band verfügen über den Charme von Stücken eines Django Reinhardts mit den typischen harmonischen Wendungen.

 

Die neue CD #ONE, von der heute im BIX einige Stücke präsentiert werden, demonstriert, wie gute Unterhaltung mit Seele geht, oder wie Musik die Herzen ergreifen kann. Auch als Jazzband (ohne Gesang) bewegen sich die sechs Herren gekonnt zwischen der Tradition eines Django Reinhardts und dem Mainstream-Jazz virtuos, frisch und ideenreich. Live geht das übrigens noch besser.

Doch das herausragende der neuen CD #ONE ist der Gesang von Knebo Guttenberger. Neben den beiden Instrumentals „Artellerie Lourde“ von Django Reinhardt und der Uptempo-Nummer „Hart & herzlich“ von Branko Arnšek dürfen alle Titel gern dem Genre „Vocaljazz“ zugeordnet werden. „I only have eyes“ und „There will never be“ im Medium-Swing-Tempo sowie die Balladen „I wish you love“ und „Fools rush in“ sind Pendants zu Frank Sinatras Interpretationen in englischer Sprache. Auf Portugiesisch singt Knebo den Titel „Otono no rio“ von Ed Motta, dem brasilianischen Stevie Wonder. Im Original als Swingtitel interpretiert haben die Guttenberger Brothers eine Version geschaffen, welche dem Stil Ed Mottas durchaus gerecht wird. Alle anderen Gesangstitel sind in deutscher Sprache und stehen in direkter Konkurrenz zu Herrn Roger Cicero, wie das Jazzpodium schon bemerkt hat.

Es werden wichtige Themen behandelt, wie die Sehnsucht in „Es geht nicht ohne dich“ oder die Freundschaft in „Meine beste Freundin“, oder auch Befindlichkeiten der menschlichen Psyche in „Frühlingsgefühle“. Der Titel „Ich hatte geträumt“ ist allerdings ein Beitrag zur aktuellen politischen Situation der Flüchtlingskrise. Es bleibt noch der Titel „Zu zweit“ von Roger Cicero, dem die Guttenberger Brothers noch mehr Biss verleihen.

 

Besetzung: Knebo Guttenberger (voc, guit); Mano Guttenberger (guit); Stefan Koschitzki (sax, fl); Frank Eberle (p); Branko Arnsek (b); Christoph Raff (dr)

  

Mehr Infos unter: http://www.guttenberger-brothers.de



Tickets im VVK:
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Stehplatz 12,00 € (Ermäßigt 10,00 €)

Tickets an der Abendkasse: Jeweils zzgl. 2 Euro