Martin Auer Quintett (MAQ) - "So Far"
Mi 14. März 2018 | 20:30
Martin Auer Quintett (MAQ) - "So Far"

Der Trompeter Martin Auer hat seit vielen Jahren das Glück, nicht nur mit vier außergewöhnlichen Musikerpersönlichkeiten zusammen musizieren zu dürfen,  sondern seine Mitstreiter auch zu seinen besten Freunden zu zählen. Seit der Gründung 1995 haben die fünf Musiker ein großes Repertoire an Eigenkompositionen und Arrangements erarbeitet und dadurch einen ganz eigenen Bandsound entwickelt, ohne sich stilistisch festzulegen. Egal ob man das Modern Jazz, Mainstream, Contemporary oder Indiejazz nennen will, wichtig ist dem MAQ, den Zuhörer emotional zu erreichen. Das letzte Album „Our Kind of“, eine Neuinterpretation des Jazzklassikers „Kind of Blue“, das in Zusammenarbeit mit BAYER Kultur Leverkusen entstanden ist, war ein großer  Erfolg mit über 50 Konzerten in Deutschland, Österreich, Schweiz und Spanien. Für die neue CD „So Far“ (mehr Infos s.u.) nahm das MAQ wieder ausschließlich Eigenkompositionen auf, die 2018 mit Förderung der Initiative Musik bei LAIKA Records erscheint.

 

Das neue Album „So far“, VÖ: Januar 2018:

Mit alten Ehepaaren ist das so eine Sache. Wird die Beziehung nicht sorgfältig gepflegt, besteht die Gefahr der Entfremdung. Doch es geht auch anders – wie das Martin Auer Quintett beweist. Das Ensemble des Trompeters ist so etwas wie das „alte Ehepaar der deutschen Jazzszene“ – im positiven Sinne. Obwohl die Musiker alle um die 40 Jahre jung und damit vom Rentenalter weit entfernt sind, spielen sie seit mehr als 20 Jahren zusammen. Eine lange Zeit, in der sie Höhen wie Tiefen erlebt, Krisen überwunden, Trends und Strömungen getrotzt und konsequent ihre eigene Musik gemacht haben. Das hat die Fünf enorm zusammengeschweißt. Die jugendliche Frische und Dynamik, die sie beim Musizieren an den Tag legen, kombiniert mit einer relaxten Routine und einer wohldosierten Portion Coolness – das sind die unüberhörbaren Kennzeichen des Ensembles, das nun mit „So Far“ sein neues Album präsentiert. Ein Albumtitel, der bewusst doppeldeutig gewählt ist. „ Man kann ihn als Retrospektive deuten, aber auch als Ausblick auf etwas, was noch sehr weit entfernt ist“, erklärt Bandleader Martin Auer.

Das Songrepertoire, mit dem sein Quintett auf Tour geht, erweitert sich ständig. Zu den großen Stärken des Ensembles gehört, dass sämtliche Mitglieder nicht nur exzellente Musiker, sondern auch versierte Songwriter sind. Der Kollektivgedanke – jeder trägt solistisch und kompositorisch zum Album bei – stand auch bei „So Far“ wieder im Vordergrund. „Rock, Pop, Klassik, Jazz – das alles findet sich in unseren Stücken, wobei wir Schubladen vermeiden wollen und lieber von improvisierter Musik sprechen. Musik, die vor allem Spaß machen und Emotionen hervorrufen soll“, stellt Auer klar, der seit einigen Jahren in Berlin lebt und an der Musikhochschule Leipzig Trompete lehrt. Auch für seine Spielgefährten, die ebenfalls als Lehrbeauftragte oder Professoren an diversen Hochschulen arbeiten, bietet das Quintett eine willkommene Möglichkeit, sich kreativ auszuleben. Zuletzt hatten sie mit einer Interpretation des Jahrhundertalbums „Kind of Blue“ von Miles Davis für Aufhorchen gesorgt („Our Kind of Blue“, Laika Records 2015). Auf der sich anschließenden Tour erarbeitete die Band aber auch neues Songmaterial. „Da unsere Stücke on the road entstehen, sind sie immer ein Spiegel von dem, was bei uns gerade passiert“, so Auer. Der Bandleader, der sich mehr als ‘Primus inter pares‘ sieht, hat das Titelstück „So far“ beigesteuert, das mit seinem melancholischen Flair an vergangene Zeiten erinnert, die inzwischen weit entfernt liegen.

Mit „Black Mamba“ zeigt Auer, dass er seine Kompositionen bisweilen mit einer gehörigen Portion Selbstironie, einem musikalischen Augenzwinkern, versieht. Denn der Songtitel könnte den Hörenden zunächst aufs Glatteis führen.  „Hier geht es weniger um Exotik und Giftschlangen, sondern um Menschen, die mir auf meinen vielen Zugfahrten begegnen“, verrät der Trompeter, der sich lieber bedeckt hält, wenn es um die Interpretation seiner Stücke geht. „Alles ist erlaubt, jede Deutung willkommen“, begründet das Auer, der dann aber doch verrät, was es mit der „schwarzem Mamba“ auf sich hat. „So hat Entertainer Harald Schmidt die schwarze Vielfahrerkarte der Deutschen Bahn genannt. Und manche ihrer Besitzer legen ein wirklich merkwürdiges Verhalten an den Tag, indem sie sich wie kleine Könige aufführen“, schmunzelt Auer, der die Komposition – wie könnte es anders sein – im Zug geschrieben hat.

Während Auer das beschauliche Prien am Chiemsee längst gegen die wuselige Bundeshauptstadt eingetauscht hat, zählt sich Pianist Jan Eschke nach wie vor zum Typ „überzeugter Landbewohner“. „Als solcher habe ich ganz andere Affinitäten als meine urbanen Kollegen. Tiere und Maschinen gehörten in den Jahren, in denen ich auf einem Bauernhof gearbeitet habe, zu meinen täglichen Begleitern. Und natürlich inspirieren sie mich auch heute noch zu Songtiteln“, erklärt Eschke. Mit seinem Stück „Bachstelze“ setzt das Quintett einen gleichermaßen eleganten wie melodischen Schlusspunkt. Das stetig wiederkehrende Klaviermotiv erinnert an das Wippen

des Schwänzchens des possierlichen Singvogels, während „ESP“, mit seinem ebenso eingängigen Motiv, eine Hommage an den 2008 verstorbenen Pianisten Esbjörn Svensson ist. „Die phonetische Ähnlichkeit seines Trios ‘E.S.T.‘ zum elektronischen Stabilitätsprogramm ‘ESP‘ hat mich zu diesem Titel inspiriert“, erinnert sich der Pianist.

Die enorme klangliche Vielfalt, die unwiderstehliche Energie, die geballte Spielfreude – dies alles lässt hoffen, dass das Martin Auer Quintett die deutsche Jazzszene auch künftig bereichern wird. „Wir machen seit mehr als 21 Jahre zusammen Musik und haben es damit schon sechs Jahre länger miteinander ausgehalten, als eine typische deutsche Ehe hält“, hält Eschke die Hoffnung für begründet. Unverwüstlich, routiniert und trotz beachtlicher Lebensdauer noch keinerlei Abnutzungserscheinungen. Ein geradezu juveniles altes Ehepaar, von dem man sich mehr wünscht.

 

Die Musiker:

 

Martin Auer, geb. 1976, studierte Trompete und Komposition/Arrangement in Mannheim und Berlin. Der Bandleader ist ein vielseitiger Musiker, der keine Berührungsängste mit anderen Musikstilen zeigt und somit nicht nur in Jazzgefilden beheimatet ist. Martin Auer lebt in Berlin,  hat seit 2008 einen Lehrauftrag für Jazztrompete an der Musikhochschule Leipzig und war 2016/17 Gastprofessor am Jazzinstitut Berlin.

 

Florian Trübsbach, geb. 1976, studierte Saxophon und klassische Komposition in München und Hamburg. Er musizierte zusammen mit Persönlichkeiten wie Herbert von Karajan, Claudio Abbado, Hans Werner Henze, Bill Holman und Joe Lovano. Trübsbach wurde mit dem Bayerischen Staatsförderpreis für junge Künstler ausgezeichnet und ist seit 2014 Professor für Jazzsaxofon an der Hochschule für Musik in München.

 

Jan Eschke, geb.1976, ist ein vielgefragter Musiker in der europäischen Jazzszene, der derzeit in den Formationen von Martin Grubinger, Johannes Enders, Charly Antolini u.a. tätig ist. Darüber hinaus konzertierte er mit Rebekka Bakken, Karl Ratzer, Georg Ringsgwandl, Ack van Rooyen, Wolfgang Schmid, Claudio Roditi, Thomas Hampson, Rhani Krija, Vincent Herring, ... Eschke ist Dozent für Jazzklavier am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg.

 

Andreas Kurz geb. 1979 gehört zu den gefragtesten Jazz-Bassisten der Republik. Er studierte an der Hochschule für Musik und am Richard Strauss-Konservatorium München. Im Laufe seiner Karriere spielte er beispielsweise mit Größen wie Benny Golson, Max Greger, Paul Kuhn, Jamie Cullum, Don Friedman, John Marshall, Joe Locke oder Geoff Goodman zusammen. 2010 wurde er mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet und gewann den Neuen Deutschen Jazzpreis mit dem Tim Allhoff Trio. 2014 veröffentlichte er sein erstes Soloalbum.

 

Bastian Jütte, geb. 1973, studierte Jazzdrums an den Musikhochschulen München und Mannheim. Neben seiner Tätigkeit als Dozent an den Musikhochschulen Würzburg und München ist er nicht nur ein gefragter Sideman (mittlerweile auf über 70 Tonträgern) sondern hat auch drei eigene Alben veröffentlicht. Mit dem Tim Allhoff Trio gewann er 2010 den Neuen Deutschen Jazzpreis, 2016 konnte er den Preis wieder entgegennehmen, diesmal mit seinem eigenen Quartett.  2013 wurde er mit dem ECHO-Jazz in der Kategorie »Schlagzeuger des Jahres national« ausgezeichnet.

 

Besetzung: Florian Trübsbach (sax); Martin Auer (tp); Jan Eschke (p); Andreas Kurz (b); Bastian Jütte (dr)

 

Mehr Infos unter: www.martinauer.de 

 

Fotocredits: Gerhard Richter und Volker Derlach



Tickets im VVK:
Sitzplatz 20,00 € (Ermäßigt 18,00 €)
Stehplatz 14,00 € (Ermäßigt 12,00 €)

Tickets an der Abendkasse: Jeweils zzgl. 2 Euro