BIX TOP ACT: MÉLISSA LAVEAUX – "Radyo Siwèl - Tour 2019"
Do 21. März 2019 | 20:30
BIX TOP ACT: MÉLISSA LAVEAUX – "Radyo Siwèl - Tour 2019"

Sie ist so widerstrebend und querköpfig, dass ihre Musik sich einer Kategorisierung von vorn herein verweigert. Ihre Technik klingt so non-konform, dass sich der Gedanke unweigerlich aufdrängt, sie habe sich das Gitarre spielen und Singen selbst beigebracht. Was als Vermutung beginnt, bestätigt die Biografie von Mélissa Michelle Marjolec Laveaux, der in Kanada geborenen Tochter von Haiti-Immigranten, auf humorige Weise: Ihr Vater gibt ihr einen Scheck für den Klavierunterricht, welchen sie unterwegs verliert. Daraufhin verweigert er ihr die weitere Finanzierung der musikalischen Ausbildung, welche sie seit ihrem sechsten Lebensjahr genoss.

Als Konsequenz beginnt sie, sich das Spielen des Klaviers selbst beizubringen. Nach Gehör, nach Büchern und nach Gefühl. Sie forstet sich durch die Musiksammlung ihrer Eltern – ihre Mutter hat eine Vorliebe für französische Singer-Songwriter und haitianischen Big Band Jazz – studiert die Lieder und beschließt, Musikerin zu werden. Nächtliche Radiosessions, bei denen sie die Lieblingssongs ihrer Idole mitschneidet und analysiert, gehören zu ihrem Alltag. Ihre Begeisterung sehend, beschließt ihr Vater, Mélissa zu ihrem 13. Geburtstag eine Gitarre zu schenken.

 

Neben ihren erklärten Vorbildern nordamerikanischer Folkmusik (Joni Mitchell, Tracy Chapman), britischem Trip Hop (Morcheeba), Brasilianischem, Hip Hop und Neo-Soul (Erykah Badu, The Roots, Fugees), afro-amerikanischen Institutionen (Billie Holiday, Nina Simone, Aretha Franklin) und Größen der Weltmusik (Rokia Traoré, Lhasa)”, zieht sie ihre Inspiration aus dem Leben an sich und einer schier nicht zu bändigenden kreativen Ausdruckskraft.

All diese Einflüsse mischt sie mit einer naiven und instinktiven Brillanz, welche ihr neben dem täglichen Gitarrenspiel bei der Gestaltung ihres eigenen, sehr persönlichen, sehr rhythmischen musikalischen Stils hilft. Ihr modernes Songwriting integriert alle versteckten kulturell existenziellen Facetten, anstatt sie mit einer politischen Stimme zu versehen. Ihre Lieder erzählen intime Geschichten, das Abenteuer einer freien Stimme, die sich nicht scheut, ehrlich zum Publikum zu sprechen.

 

Auch während ihres sozialwissenschaftlichen Studiums verliert Laveaux ihre Liebe zur Musik nicht: “Ich brauche die Musik zum Leben. Und ich muss ein Alltagsleben haben als Inspiration für meine Musik.” Eines Nachts tritt sie in einem Pub auf, das diverse Künstler performen lässt und lernt so den Percussionisten Rob Reid kennen. Sie schließen sich schnell zu einem Duo zusammen, treten in Campuspubs und kleinen Bars in ganz Kanada auf. Um sich in der Szene einen Namen zu erspielen reisen sie später quer durch die USA und arrangieren ein Repertoire, welches sie selbst produziert auf MySpace veröffentlichen. Mit der Aufmerksamkeit auf sich gerichtet wird 2006 „Campher & Copper“ fertiggestellt und befördert Laveaux ins Vorprogramm von Feist, Lura und Yael Naim.

Das Repertoire von Mélissa Laveaux besteht aus originellen Stücken, die eine beeindruckende Reife und Frische vorweisen, die nur die besten ihres Gebietes aufzeigen. Sie überzeugt mit minimalistischen Arrangements, welche die Energie und den poetischen Einfluss ihrer Worte in den Vordergrund rücken. Ihre Stimme ist majestätisch und gleichzeitig fragil, tiefgehend und sinnlich. Sie wirkt fast überarbeitet und umgestaltet von der allgegenwärtigen Dreisprachigkeit im Leben der heute 32-jährigen: das flüssige Sprechen des Englisches, die lässige Synkope des Kreolischen und die harmonische Raffinesse des Französischen.

 

Über ihr aktuelles Album "Radyo Siwèl":

April 2016: die kanadische Singer-Songwriterin und Gitarristin Mélissa Laveaux reist auf der Suche nach ihren Wurzeln und aus Ehrerbietung für ihre Vorfahren nach Haiti. Im Alter von zwölf Jahren war sie mit ihren Elternzum letzten Mal auf der karibischen Insel und fühlt sich daher wie eine Fremde. Gleichzeitig erlebt sie aber auch die freudige Erregungdes nach Hause zurückkehrenden Exilanten, denn Haiti ist und bleibt ein unauslöschlicher Teil ihrer Identität.

Mélissa wurde als Kind haitianischer Eltern, die als Studenten vor dem Regime von DiktatorFrançois Duvalier geflohen waren, in Montreal geboren und wuchs in Ottawa auf. Sie verfügt nur über ein dürftiges Kreolisch-Vokabular, dessen metaphernreiche Ausdrücke und lebhafte Redensarten sie während der Ferngespräche ihrer Mutter mit ihren Tanten aufgeschnappt hat. Im kanadischen Exil klang der Ruf von Haitis kulturellem Erbe für Mélissa wie eine verzerrte Stimme aus einem sich außer Reichweite befindlichen Radiosender, dessen Worte und Klänge sie nur bruchstückhaft hörte. So weiß sie zu Beginn ihrer Reise noch nicht, welche musikalischen Inspirationen ihre Pilgerfahrt bringen würden, wird aber schnell über ihre intensive Beschäftigung mit den Folksongs der Insel von der Tiefe und Opulenz ihres kulturellen Erbes verführt.

Mélissa kehrt mit einem Kopf voller Klänge, Melodien, Stimmungen und Geschichten aus fernen Tagen nach Kanada zurück, die sich zu einer Tracklist reich an Allegorien und einer für Haitis Lyrik und Musik charakteristischen Symbolik des Widerstands entwickeln. Aus diesen Elementen erschafft sie ein Album, das von haitianischer Geschichte und Kultur durchdrungen, aber zugleich sehr persönlich und intim ist: „RadyoSiwèl is very important to me because there’s the whole part about remembering your ancestry and honouring your ancestors and elders,” so Melissa Laveaux, „I’m getting reacquainted with parts of my heritage my parents left out when they were raising me.”

Bei ihrer Ankunft in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince hat Mélissa die Stimme der legendären Schriftstellerin, Komponistin, Sängerin und Bürgerrechtsaktivistin Martha Jean-Claude im Ohr, deren Platten in Kindertagenihr karibischer Soundtrackin der beißenden Winterkälte von Ottawa waren. Martha Jean-Claude wurde 1952 nach Veröffentlichung eines Theaterstücks verhaftet, musste nach einem Gefängnisaufenthalt ihre Heimat Haiti verlassen, und verbrachte danach 34 Jahre im kubanischen Exil, wo sie voller Sehnsucht die Lieder ihrer Heimat sang.

Mélissa fühlte eine große Affinität zu Martha und sie wurde zu einer beständigen Präsenz in Mélissas Träumen über das Land ihrer Vorfahren. Folglich war ihr erster Ansatz, RadyoSiwèl zu einer Platte voller Coverversionen von Martha Jean-Claudes Songs zu machen. In Haiti angekommen, entwickelt sich das ursprüngliche Projekt aber in eine vorher nicht geplante Richtung.

In einem Kulturzentrum von Port-au-Prince erhält Mélissa einen für sie unschätzbar wertvollen Zugang zu Aufnahmen und Notizbüchern mit alten, in der verworrenen Geschichte des Landes sich immer wieder neu erfindenden Folksongs. Dort sucht sie besonders nach Stücken, die im Widerstand gegen die Besetzung der Insel durch die USA zwischen 1915 und 1934 gesungen wurden oder gesungen worden sein könnten. In dieser Zeit litt die „Erste Schwarze Republik“, die sich von der Sklaverei emanzipiert und ihre Unabhängigkeit von Frankreich erkämpft hatte, unter der repressiven Präsenz einer neuen und ungewollten Kolonialmacht.

Untrennbar verbunden mit dem Widerstandsgeist war die Präsenz von Voodoo und seinen vielen Loas, Gottheiten, die angerufen wurden, um die Haitianer zu beschützen und ihnen im Kampf gegen die Unterdrücker zu helfen.

Während dieser dunklen Jahre wurden Martha Jean-Claude wie auch die ebenso legendäre Sängerin Emerante de Pradines geboren. Beide nahmen mit „DodoTitit“ ein traditionelles haitianisches Wiegenlied auf, das Mélissa auf ihrem ersten Album Camphor&Copper vor einem Jahrzehnt gecovert hatte. Mit seiner tiefen Verwurzelung in der Seele Haitis war „DodoTitit“ wohl die erste Knospe für das neue Album RadyoSiwèl, dessen Songs und Geschichten wie die reifen Früchte an einem Baum sind, der nach Mombinpflaumen (= Siwèl auf Kreolisch) benannt ist.

Einige der Stücke auf dem Album sind so alt, dass niemand mehr ihre Autoren kennt. Sie wurden über nicht sesshafte Troubadoure und als Bann’ na Siwel bekannte Orchester von Dorf zu Dorf weiterverbreitet. Mélissa interpretiert ihr haitianisches Erbe allerdingsmit einer Indie-Rock-Ästhetik – sie nimmt traditionelle Melodien, Voodoohymnen, Wort- und Songschnipsel aus den alten Liederbüchern und näht sie wie in einem Patchwork aus sich überkreuzenden Identitäten wieder zusammen. Über ihre Herangehensweise sagt sie in einem Interview mit Vladimir Cagnolari: „When you’re a refugee, no one has to know where you come from. You can build another past, to shape the future you’re wishing for. That is where I felt I could be free - choosing the elements and moulding them together to tell a story. That’s how I worked with these parcels extracted from Haitian heritage. The spirits don’t seem displeased with my actions or approach, hopefully it will stay that way.”

Das Album wurde in nur fünf Tagen eingespielt und Mélissas unverwechselbare Stimme und geschmeidiges Gitarrenspiel wurden von Kobo Town-Bandleader Drew Gonsalves aus Trinidad an der Gitarre und Cuatro grandios unterstützt. Das französische Produktionsteam A.L.B.E.R.T. sorgte dafür, dass der Sound sich anhört wie live eingespielt. 

 

 

Pressestimmen:

Mal lasziv und verführerisch, mal sensibel und tiefgründig, mal trotzig, stolz und ungehorsam spielt Laveaux mit ihrem stimmlichen Ausdruck, als wäre es die leichteste Übung dieser Welt. Selbst in einem bunt blühenden Singer/Songwriter-Stimmengarten findet sich die Blüte eines solch breiten Ausdrucksrepertoires nur selten.”LAUT.DE

Der eigenwillige Gitarrenstil, der variantenreiche Gesang zwischen Ruppigkeit, Melancholie und jugendlicher Unbekümmertheit fasziniert und überrascht.”BLUE RHYTHM

Von Melissa Laveaux’ Musik geht ein besonderer Zauber aus. Klar schreibt man das auch der Tatsache zu, dass die Sängerin und virtuose Akustik-Gitarristin, die in Ottawa geboren wurde und in Paris lebt, aus unterschiedlichen Kulturen schöpfen kann.”JOURNAL FRANKFURT

 

 

Besetzung: Melissa Laveaux (guit, voc); Elise Blanchard (b); Martin Wangermée (dr)



Tickets im VVK:
Sitzplatz 28,00 € (Ermäßigt 26,00 €)
Stehplatz 18,00 € (Ermäßigt 16,00 €)

Tickets an der Abendkasse: Jeweils zzgl. 2 Euro