BIX TOP ACT: Helen Sung – "Sung With Words"
Do 7. Februar 2019 | 20:30
BIX TOP ACT: Helen Sung – "Sung With Words"

Die Pianistin und Komponistin Helen Sung hat den größten Teil ihres Lebens in zwei verschiedenen Welten verbracht: eine klassische Studentin, die Anfang ihrer Zwanziger zum Jazz wechselte und die grenzenlose Bandbreite und das Potential des Klaviers in einer Weise kennt, wie es nur wenige Spezialisten beider Genres tun. Darüber hinaus verkörpert Sung als Tochter chinesischer Einwanderer zwei unterschiedliche Kulturen und hat eine musikalische Stimme und Identität entdeckt, die beiden - und noch wichtiger - sich selbst treu sind.

Sung, geboren und aufgewachsen in Houston, Texas, begann im Alter von fünf Jahren mit klassischem Klavier- und Geigenunterricht und studierte in ihren prägenden Jugendjahren bei einem strengen Lehrer der russischen klassischen Klaviertradition. Helen ging vier Jahre lang diesen rigorosen Weg durch Houstons gefeierte Hochschule für Darstellende und Bildende Künste (HSPVA) und entschied sich dann, ihr klassisches Klavierstudium an der Universität von Texas in Austin fortzusetzen, trotz der Hoffnung ihrer Eltern, dass sie eine traditionellere Karriere in der Medizin verfolgen würde.

 

Ihr Plan war es, Konzertpianistin zu werden, an Wettbewerben teilzunehmen und höchstwahrscheinlich zu unterrichten und aufzutreten, aber in ihrem letzten Studienjahr trat eine erschütternde Veränderung ein, als ein Freund sie zu einem Harry Connick Jr. Konzert einlud. Helen erinnert sich: "Er trat mit seiner Big Band auf und sie waren sehr unterhaltsam. Aber mitten im Konzert setzte er sich hin und spielte ein paar Solo-Klavierstücke. Ich wollte aus meiner Haut fahren, diese Musik war so lebendig... und ich erinnere mich daran, wie ich dachte: 'Ich wusste nicht, dass man so Klavier spielen darf!'"

Es war der Beginn ihrer musikalischen Emanzipation mit dem Ergebnis einer unerwarteten Kurskorrektur: Während sie ihr klassisches Studium beendete, schrieb sich Sung in Jazzkurse ein, überzeugte den Jazz-Klavier-Professor, ihr Unterricht zu geben und vertiefte sich in Jazzaufnahmen und -Bücher der Musikbibliothek. Nachdem sie ihren Bachelor of Music erhalten hatte, entschied sich Helen zu bleiben und einen Master of Music in klassischem Klavierspiel zu absolvieren (die Universität von Texas bot zu dieser Zeit keinen Master in Jazz an), während sie auch jeden verfügbaren Jazzkurs belegte.

 

Eine wachsende Besorgnis über diese Veränderung in Helens Musikstudium veranlasste ihre Eltern, darauf zu bestehen, dass sie nach ihrem Master-Abschluss über Doktorandenprogramme im klassischen Klavier nachdenken würde. Sie beging den schmalen Grad zwischen der Agenda ihrer Eltern und ihrer eigenen und forderte Informationen von verschiedenen Schulen, einschließlich des New England Conservatory, an. Ein unscheinbarer Absatz in der NEC-Broschüre kündigte das brandneue Thelonious Monk Institut für Jazz-Performance an, das ab 1995 dort untergebracht werden sollte. Das zweijährige Programm würde nur sieben Studenten aufnehmen, einen für jedes Instrument, um ein Jazz-Septett zu bilden. Helen beschloss heimlich, sich nur für dieses Programm zu bewerben und wurde als Pianistin für die erste Klasse angenommen.

Das zweijährige Programm beinhaltete ein "Who is Who" der Jazz-Lehrer, darunter der künstlerische Leiter Ron Carter, Clark Terry, Jackie McLean, Sir Roland Hanna, Jimmy Heath, Wynton Marsalis, Barry Harris und Jon Faddis, um nur einige zu nennen. Die Schüler tourten auch mit Herbie Hancock und Wayne Shorter durch Indien und Thailand, traten im Kennedy Center auf und sammelten Erfahrungen, indem sie Meisterkursen und Workshops gaben. Nach ihrem Abschluss spielte Helen mit einigen ihrer Monk-Institute-Alumni und Künstlern ihrer Umgebung in Boston, bevor sie 1999 nach New York zog: In diesem Jahr war sie Semifinalistin am Jazz-Klavierwettbewerb des Thelonious Monk Institute und erhielt ein Fish-Middleton Jazz Stipendium.

 

In Zusammenarbeit mit ihrer kleinen Gruppe, mit der sie ihre Performance weiter verfeinerte und ihre Fähigkeiten als Komponistin erprobte, hatte Sung 2002 genug Material zusammengestellt, um „PUSH“ aufzunehmen, ihr erstes Album, das 2003 auf dem Label Fresh Sound New Talent veröffentlicht wurde. „Helenistique“ folgte im Jahr 2006, bevor sie 2007 mit der Veröffentlichung von „Sungbird After Albeniz“, ein Projekt, das ihre Erfahrungen in Jazz und Klassik verwebt, bei Sunnyside Records landete. Im selben Jahr gewann Sung den Mary Lou Williams Jazz-Klavierwettbewerb des Kennedy Centers und war in der berühmten Marian McPartland's NPR Show „Piano Jazz“ zu Gast.

Helens nächstes Album „Going Express“ (ebenfalls auf Sunnyside) wurde live im Jazz Standard in New York City aufgenommen und 2010 veröffentlicht. Ein Jahr später folgte „(Re)Conception“ auf dem dänischen Label Steeplechase. 2014 toppte „Anthem For A New Day“, Sung's sechste eigene Veröffentlichung und ihr Major-Label-Debüt bei Concord Jazz, die Jazz-Radio-Charts, wurde in die Best of 2014 Jazzalbum-Liste Großbritanniens aufgenommen, erreichte den obersten Quadranten der Billboard-Jazzalbum-Charts und erhielt einen SESAC Performance Activity Award.

 

Helen hat auch an verschiedenen Bühnen- und Studioprojekten mit einer Reihe von Künstlern teilgenommen, darunter Clark Terry (sie war die Pianistin für seine letzte Big Band und spielte auf seinen letzten beiden Aufnahmen „Live at Marian's Jazzroom“ und „Louie (Bellson) & Clark: Expedition 2“), Wayne Shorter, Wynton Marsalis (der Sung als eine seiner "Who's Got Next: Jazz Musicians to Watch“ nannte), Steve Turre und MacArthur Fellow Regina Carter. Sung hat auch intensiv mit so ausgezeichneten Ensembles wie der Mingus Big Band, der Mingus Dynasty Band, dem T.S. Monk Sextett & 'Monk on Monk' Tentet und dem Terri Lyne Carringtons Mosaic Project gespielt, zudem ist sie auf Carringtons GRAMMY® Award-prämiertem Album Mosaic zu hören.

Mit regelmäßigen Tourneen in den USA sowie Auftritten bei wichtigen Festivals/ Veranstaltungsorten wie Newport, Monterey, Detroit, SFJAZZ, der Walt Disney Hall und der Carnegie Hall betritt Sung auch die internationale Bühne: Ihr NuGenerations Projekt wurde ausgewählt, durch das südliche Afrika als Jazz-Botschafter des US-Außenministeriums zu touren. Weitere Engagements in der jüngeren Vergangenheit beinhalten europäische Tourneen für „Anthem“, das London Jazz Festival, Taiwans Taichung International Jazz Festival und Tourneen in China, Malaysia, Indien, Mexiko und Uruguay.

 

Sung, eine aktive, preisgekrönte Komponistin, war 2009 die Auftragskomponistin für die Poetry Conference der West Chester University. Sie gewann 2009 auch eine Chamber Music America Residency Förderung, so dass sie eine Jazz-Residency-Woche in einer Schule durchführen konnte, bei der die Schüler an einer multidisziplinären Erfahrung aus instrumentalem Jazz, Jazzgesang, Tanz und visueller Kunst teilnehmen konnten. Im selben Jahr beauftragte die North Coast Brewing Company, der Hersteller des Brother Thelonious Belgian Ale, Sung, ein Titellied für das Bier zu schreiben, und ernannte sie zum musikalischen Leiter/ Arrangeur für ein „Brother Thelonious Quintet“ Album. Ihre Komposition "Brother Thelonious" ist auch auf ihrem Album „Anthem For A New Day“ zu hören.

Im Jahr 2010 gewann Helen einen NYC Spaces/Con Edison Composer-in-Residence Stipendiat in der Flushing Town Hall. Sie wurde auch ausgewählt, ihr „Sungbird after Albeniz“ Projekt auf dem Aspen Ideas Festival 2010 zu präsentieren. Im Jahr 2014 gewann sie eine Mid-Atlantic Arts Foundation US Artists International Förderung, die ihr Debüt beim Wigan International Jazz Festival (UK) unterstützte. Sie gewann 2014 außerdem ein New Jazz Works Stipendium der Chamber Music Amerika/ Doris Duke Stiftung, das ihr ermöglichte, „Sung With Words“, eine „Musik-inspiriert-Poesie-inspiriert-Musik-Kollaboration“ mit dem gefeierten amerikanischen Dichter Dana Gioia, einem kalifornischen Dichter-Preisträger und ehemaligen Vorsitzenden des National Endowment for the Arts, zu kreieren und aufzunehmen. Das Album, auf dem Gioia seine Gedichte vorstellt, wurde im September 2018 veröffentlicht.

 

Im Jahr 2015 begann Sung mit dem Komponieren für größere Ensembles und gewann einen Platz im BMI Jazz Composer's Workshop. Sie gewann den 3. Preis beim Kompositionswettbewerb des Workshops 2016 und arrangierte/ spielte auch ein Bigband-Arrangement von McCoy Tyners „Four By Five“ für die Saisoneröffnungskonzerte 2016 des Jazz at Lincoln Center Orchestra. Ihr Arrangement und ihre Performance sind auf der 2017er Blue Engine Veröffentlichung „Handful of Keys“ enthalten.

Angeregt durch ihre Erfahrung am Monk Institute, bleibt Helen in der Musikausbildung durch Residencies und Workshops involviert. Sie hat an den Fakultäten des Berklee College of Music und der Juilliard School mitgewirkt und ist derzeit Mitglied der Jazz-Fakultät der Columbia University.

Helen unterhält enge Beziehungen zu ihrer Heimatstadt Houston, spielt dort regelmäßig und besucht ihre High School HSPVA, um Meisterkurse sowohl in der klassischen als auch in der Jazz-Abteilung zu geben. Im Jahr 2017 wurde sie in die "Hall of Fame" von HSPVA aufgenommen und die Universität von Texas am Austin College of Fine Arts verlieh Sung die angesehenste Auszeichnung: den E. William Doty Distinguished Alumna Award.

- von John Brüning
 

 

Besetzung: Christie Dashiel (voc); Helen Sung (p); John Ellis (sax); Reuben Rogers (b); Kush Abadey (dr)

 

 

Mehr Infos unter: http://www.helensung.com/



Tickets im VVK:
Sitzplatz 28,00 € (Ermäßigt 26,00 €)
Stehplatz 16,00 € (Ermäßigt 14,00 €)

Tickets an der Abendkasse: Jeweils zzgl. 2 Euro