BIX TOP ACT: Indra Rios-Moore – "Carry My Heart"
Sa 4. Mai 2019 | 21:00
BIX TOP ACT: Indra Rios-Moore – "Carry My Heart"

Nach ihrer musikalisch wie emotional bewegenden Show bei den jazzopen Stuttgart im Juli 2018 freuen wir uns sehr, Indra Rios-Moore im Mai 2019 wieder im BIX Jazzclub begrüßen zu dürfen!

 

So sorgsam Indra Rios-Moore auch an die Instandsetzung der Seele appelliert, ist ihr neues Album „Carry My Heart“ doch ein Protestalbum. Die Jazz-Auffassung der Sängerin aus New York, deren Lebensmittelpunkt inzwischen in Barcelona liegt, ist seit jeher von emotivem Gospel, erdigem Blues-Verständnis und den Popmusik-Befindlichkeiten großer Helden wie Steely Dan geprägt. Zur Entstehung des neuen Albums erinnert sich die Tochter des Jazzbassisten Don Moore: „Mein Vorhaben war im Sommer 2016, ein optimistisches Album aufzunehmen. Im Plattengeschäft wird unentwegt gejammert, weil keiner mehr Geld mit Musik verdient. Mir schwebte vor, diesem kollektiven Lamento etwas Fröhliches entgegenzusetzen. Während dieser Zeit schrieb ich den Titelsong ‚Carry My Heart‘ vor dem Hintergrund der vielen Menschen die vor Kriegen und Armut nach Europa flüchteten und der avisierte Optimismus wurde zum schweren Mut. Und dann wurde Trump zum US- Präsidenten gewählt, woraufhin sich mein Vorhaben endgültig veränderte. Zunächst Richtung Ohnmacht."

Die Ohnmacht verflüchtigte sich einen Tag nach der US- Präsidentschaftswahl, nachdem Rios-Moore enttäuscht und furchtsam durch die Straßen einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Connecticut spazierte. Ein alter, farbiger Mann stand unvermittelt vor ihr, blickte in ihr Gesicht, umarmte und tröstete sie mit den Worten: „Gräme dich nicht allzu sehr. Alles wird sich zum Guten wenden, denn wir haben Schlimmeres überstanden als den Präsidenten Trump." Diese lebensbejahende Begegnung revitalisierte die kurzzeitig paralysierten Kreativgeister Rios-Moores. „Für mich als farbige Frau mit Latino-DNA im Blut, war der Wahlausgang ein Schlag ins Gesicht. Jahrzehntelange Kämpfe für Gleichberechtigung von Frauen, Afroamerikanern, Schwulen und allen Unangepassten, die nicht auf Linie zum amerikanischen Durchschnitt lebten, schienen und scheinen angesichts Trumps polarisierenden Weltsicht umsonst gekämpft worden zu sein“, sagt Rios-Moore. „Be Mine!“, ein Song der schwedischen Pop-Sängerin und -Produzentin Robyn lockte Indra schließlich auf die Fährte, ihr neues Album als Gegenentwurf zur politischen Realität Amerikas zu dimensionieren. „Ich stand in der Dusche, sang diesen Song von Robyn und stellte mir vor, mit der US-Nationalallegorie Uncle Sam zu tanzen. Instantan verglich ich Amerika mit einem großen, aber schrecklichen Boyfriend. ‚Any Major Dude‘ von Steely Dan kam mir als nächster Song in den Sinn. Er erzählt von Unsicherheit, die zum Wahnsinn führt. Eine perfekte Beschreibung des momentanen Zustands der amerikanischen Seele, wie ich fand.“

Wie wenig Songs von ihren ursprünglichen Aufnahme-Umfeldern abhängig sind, um ihre Schönheiten neu zu entfalten, unterstreicht die durchdachte Koordination der elf unterschiedlichen Stücke auf „Carry My Heart“. Neben zwei Kompositionen aus der Feder Rios-Moores, erleben Songs von Steely Dan, Robyn, George Gershwin, Duke Ellington und anderen einladende, zusammenhängende Neudeutungen. Aufs Wesentliche reduziert, räumen die geschmackvollen Arrangements der beseelten Stimme Rios-Moore sattsam Platz zum buchstäblichen Atmen ein. In ihrer Essenz besitzen sämtliche der „Carry My Heart“-Ingredienzien beispielhafte Qualität. Darin liegt auch der Protest begründet, der zwischen den Zeilen und Noten aufblitzt. „Wir erleben eine Zeit entsetzlicher politischer und persönlicher Beliebigkeiten", unterstreicht Rios-Moore. „Der Präsident meines Landes regiert Amerika nicht nur mit spaltender Hand, sondern auch mit unfassbarem Kitsch. Man schaue sich nur die Leute in seinem Umfeld an. Oder die Gebäude, die ihm in New York gehören. Die zeugen von vollkommen überzogenem Schein. Etwas qualitativ Hochwertiges dagegenzusetzen, war mir ein imminentes Bedürfnis. Ich hoffe, dass ‚Carry My Heart‘ mit Qualität und Sentiment berührt und zum Luftholen in einer Realität anregt, in der die Schattenwelt des Geldes unsere Menschlichkeit redundant zeichnet.“

 

 

Besetzung: Indra Rios-Moore (ld voc); Benjamin Traerup (sax); Thomas Sejthen (b); Knut Finsrud (dr)

 

 

Mehr Infos unter: http://www.indrariosmoore.com/

 

 

Fotocredits: Pierrick Guidou



Tickets im VVK:
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Stehplatz 18,00 € (Ermäßigt 16,00 €)

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