Viva la Blasmusic!
Was sich bei einem Konzert der Blassportgruppe abspielt klingt so, als ob ein Bus gefüllt mit Jazz in ein Auto mit Punk und eines mit Blasmusik kracht: ein Auffahrunfall mit ungewohnt fröhlichen Folgen.
Mit einer zärtlichen Kampfansage an die volkstümliche Blasmusik beschreitet die zehnköpfige Mannschaft aus Mannheim und Köln nun seit sechs Jahren einen ganz eigenen musikalischen Weg, der sich seit Beginn
erfolgreich dagegen wehrt, in eine Schublade gesteckt zu werden. So hat die Blassportgruppe die Balkan-Brass-Welle bewusst an sich vorbeiziehen lassen und es auch vermieden, Trittbrettfahrer der deutschen Big-Band-Popmusik zu werden. Im Gegenteil: herkömmliche Genregrenzen werden konsequent
überschritten und der Stilbruch wird zur Kunstform erhoben. Die Blassportgruppe führt Dixieland und Marschmusik ad absurdum und bringt dabei Johannes Brahms und John Coltrane näher zusammen, als man es für möglich gehalten hätte. Ihre eigenen Kompositionen sind Brechstange und Romanze zugleich.
Seriosität trifft auf Satire, brachialer Bläser-Sound auf romantischem Gänsehautflair, Hildegard Knef auf Amy Winehouse, virtuose Improvisationen auf Walzer-Chanson-Verhackstück-Zärteleien in deutscher
und englischer Sprache. Das alles wird verpackt in ausgetüftelten Arrangements, einer schrägen Bühnenshow und virtuos dargeboten von zehn Persönlichkeiten, die neben ihren musikalischen Qualitäten auch den Schalk im Nacken haben. Sehr schräg und unkommerziell - will man meinen - doch die stetig
wachsende Fangemeinde dankt es der Blassportgruppe und die Blassportgruppe dankt es den Fans, denn nur so ist es heutzutage überhaupt möglich, mit 10 Musikern unermüdlich durch die Clubs zu touren - und das fern ab der in die Jahre gekommenen Plattenindustrie.
Auf nette Art und Weise versucht auch die Presse die BSG als jazzige Version von geschätzten Kollegen wie Global Kryner oder Mnozil Brass zu fassen: Die Blassportgruppe ist einzigartig und wenig konventionell – so etwas erlebt der Zuschauer nur sehr selten. Was hier passiert, ist hohe Kunst abseits
der spröden Medienlandschaft. Dies belegen nicht nur durchweg positive Pressekritiken oder ausverkaufte Konzertsäle, sondern auch der Kulturpreis „Freiburger Leiter 2010", mit dem die Blassportgruppe erst kürzlich im Rahmen der Internationalen Kulturbörse Freiburg ausgezeichnet wurde. Wer das glänzende
Blech auf der Bühne versammelt sieht, denkt ehrfürchtig, "das ist wirklich Heavy Metal. Und wer nur ahnt, wie schwer es ist, Schweres leicht klingen zu lassen, höre sich zu weiterer Bestätigung "So lange man
Träume noch leben kann - von der "Münchner Freiheit – in der Version der Blassportgruppe an. Oder eine der eigenen Kompositionen aus dem aktuellen Konzertprogramm. Eine solch schräge Musik-Clownerei auf so hohem musikalischem Niveau hat man schon lange nicht mehr gehört. Wer sich, was
Bläser angeht, mit weniger zufrieden gibt als dem, was die Blassportgruppe zu bieten hat, ist selbst
schuld.
Im Januar 2011 geht die Blassportgruppe auf „Steil"-Tournee durch Deutschland, Österreich und die
Schweiz und präsentiert in diesem Rahmen ihre gleichnamige aktuelle CD, welche am 24.09.2010 auf
Jazzhausrecords erschienen ist.
Besetzung:
Patrick Kukwa – Gesang
Christoph Moschberger – Trompete
Alex Hartmann – Trompete
Felix Fromm – Posaune
Johannes Goltz – Posaune
Axel Müller – Tenorsaxophon
Sven Pudil – Barisaxophon
Jochen Welsch – Sousaphon
Christian Huber – Snaredrum/Percussions
Hering Cerin - Bassdrum