Gute Geschichten brauchen keine Worte, manchmal ist die Musik der beste
Geschichtenerzähler. Wer das nicht glaubt, möge sich die neue CD „fables &
fiction" von Daniel Prandl anhören. Zusammen mit seinen drei Mitstreitern
Wolfgang Fuhr (Saxofone), Axel Kühn (Bass) und Kristof Körner (Schlagzeug) hat
der Mannheimer Pianist neun Stücke eingespielt, die von Figuren, Geschichten
und Legenden aus Literatur und Mythologie inspiriert sind. Schriftsteller wie
Gottfried Benn, Else Lasker-Schüler oder Franz Kafka standen dabei Pate. Wobei
es Prandl bei seinen Eigenkompositionen nicht darum geht, die Literatur eins zu
eins in der Musik zu spiegeln – das wäre einem wie ihm viel zu wenig. Das
geschriebene Wort dient dem Jazzmusiker lediglich als Zündfunken: „Man
sollte es sich nicht so konkret vorstellen: so, jetzt lese ich ein Gedicht von
Gottfried Benn und dann entsteht ein Stück." Prandls Modern Jazz lebt von
einer verspielten Schlichtheit, er tänzelt, groovt, swingt oder schleicht:
manchmal wechseln die Klang-Charaktere (wie in den literarischen Vorlagen)
binnen kürzester Zeit.
„Larifari lehne ich grundsätzlich ab, ich brauche klare Statements." Sätze wie
diese aus dem Munde Prandls sitzen, Nachfrage zwecklos und irgendwie auch
überflüssig. Wenn er loslegt, hat der Klangästhet ganz klare Ideen, die in Kopf
und Fingern lange Jahre gereift sind. Zwar lebt Jazz maßgeblich von
Improvisation und Spontaneität, dem Zufall überlässt der gebürtige Bayer
dennoch nichts. So absurd es auch klingen mag: erst eine intensive
Vorbereitung bringt Prandl das gute Gefühl, so richtig frei (und befreit)
aufspielen zu können. Diese Tiefgründigkeit hört man seinem Klavierspiel
jederzeit an, Prandl ist ein feinfühliger Magier der Zwischentöne.
„Ich brauche erst mal eine Melodie, die mir Spaß macht." Manchmal reicht
Prandl eine kleine Idee, es darf aber gerne auch mal etwas opulenter sein. Mal
sind seine Stücke durcharrangiert, mal wird einfach drauf losgespielt. Klingt
nach Beliebigkeit, ist es aber nicht. Mannigfaltigkeit lautet das Zauberwort: der
Jazzpianist will die Möglichkeiten aus den Parametern, die die Musik zu bieten
hat, komplett ausreizen. Sein Quartett bietet ihm dabei weitaus mehr als
Rückendeckung, man legt Wert auf ein ausgewogenes Kräfteverhältnis. Wenn
sich Prandl als Pianist ins Rampenlicht rücken wollte, hätte er das vielleicht in
Trio-Besetzung getan. Er hat sich bei seinem Debüt als Bandleader aber bewusst
für ein gleichberechtigtes Quartett entschieden und mit Wolfgang Fuhr einen
wendigen Bläser gefunden, der Monolog und Dialog gleichermaßen eloquent
meistert.
„Ich bewundere die Eleganz und Nonchalance von Keith Jarrett und Bill Evans."
Daniel Prandl (Jahrgang 1979) stammt aus dem bayerischen Städtchen
Burghausen an der Salzach, einem dank des Festivals auf der Jazzlandkarte seit
über vier Jahrzehnten nicht unbekannten Ort. Nach einer Zwischenstation in
Regensburg zog Prandl nach Mannheim und studierte von 2002-2007 Jazz-
Klavier an der ortsansässigen Musikhochschule (Diplom und Master-Abschluss
mit Bestnote), es folgte ein einjähriges Stipendium an der Sibelius-Akademie in
Helsinki. Seitdem hat sich Prandl als feste Größe im Rhein-Neckar-Delta einen
Namen als Musiker, Komponist, Bandleader und Pädagoge gemacht.
„Man sollte auch als Jazzmusiker nicht alles so bedeutungsschwanger
nehmen." Was er damit meine, frage ich Daniel Prandl. Ob er viele Jazzmusiker
kenne, die in den Keller gehen müssten, um zu lachen? „Jazzmusiker sollten
noch nicht einmal immer in den Keller gehen, um zu spielen." Da ist auch was
Wahres dran.
Text: Jörg Heyd
+++++++++++++
Besetzung:
Daniel Prandl, piano
Wolfgang Fuhr, sax
Axel Kühn, bass
Kristof Körner , drums
++++++++++
Mehr Infos unter:
www.danielprandl.de